Lulu

Lulu

von Frank Wedekind

Inhaltsangabe

Über zwanzig Jahre lang arbeitete der Münchner Dramatiker Frank Wedekind an der von ihm sogenannten Monstretragödie, die aufgrund der harschen Zensur zu seinen Lebzeiten keine Aufführung in München erlebte. Zu anrüchig, zu lüstern. Wedekind schuf mit Lulu eine Schlange, geschaffen, um «zu locken, zu verführen» – und um zu morden. Für ihre Liebhaber scheint Lulu Projektionsfläche – was Mann wünscht, er findet es in ihr. Und mehr: Lulus Verführungen treiben ihre Liebhaber*innen in München und Paris reihenweise in den Tod, bis sie sich schließlich in den Londoner Gassen ihrem eigenen Tod in die Arme wirft.

Bereits im Prolog teilt Wedekind uns allerdings den Namen eines noch gefährlicheren Raubtiers mit, das dieses Stück bevölkert: «Verehrtes Publikum!» Denn nicht nur für die Männer in ihrer Welt ist Lulu ein Wert, etwas, das sich anhand des eigenen Lustgewinns bemessen lässt. Auch vor dem Publikum muss sie sich fortwährend dem objektivierenden Blick aussetzen. Auch für Publikum und Regisseur ist Lulu Projektionsfläche, auf der sich Frauenbilder sezieren lassen. Wer also steckt hinter diesen beiden erotischen Silben? Diese Frage ergründet der Regisseur Bastian Kraft, indem Lulu nur mit Lulu spricht. Gespielt von drei Schauspielerinnen, verhandelt Lulu in einem vielstimmigen Dialog mit sich selbst ihre eigene Geschichte. Sie übernimmt hiermit ihr Schicksal. Der lineare Handlungsverlauf löst sich auf, und ihren Liebhabern begegnet Lulu, indem sie die Männer selbst spielt. So verschiebt sich die Macht des Begehrens in das erotische Spannungsfeld verschwimmender Geschlechtergrenzen. Und die Lust an der Travestie zeigt kein Frauenbild, sondern Lulus Blick auf die Männerbilder, die Wedekind in diesem Stück zeichnet.

Bastian Krafts multimediale Bearbeitungen verdichten literarische Klassiker auf ihr Kernpersonal, dem sie eine neue Erzählperspektive und Stimme geben, und haben ihn an die wichtigsten Bühnen des deutschsprachigen Raums geführt. Mit «Lulu» wird er nun in München seine intensive Beschäftigung mit Videokunst auf der Bühne fortsetzen, wobei es ihm gelingt, trotz formaler Zugriffe stets die Schauspieler*innen in den Mittelpunkt seiner Arbeit zu stellen, wofür er vielfach ausgezeichnet worden ist.

Mitwirkende und Besetzung
Inszenierung: Bastian Kraft
Bühne: Peter Baur
Kostüme: Dagmar Bald
Musik: Arthur Fussy
Video: Kevin Graber

N. N.

Veranstalterinfos

Premiere am 22.11.2020

Vorstellungsdauer: noch nicht bekannt

Veranstaltungsort: Marstall (Bayerisches Staatsschauspiel)

Quelle: https://www.residenztheater.de

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