Wolken.Heim.

Wolken.Heim.

von Elfriede Jelinek

 

Regie: Matthias Rippert
Bühne: Fabian Liszt
Musik: Robert Pawliczek

 

  

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Besetzung

Premiere 30 Mär 19

 

 

 

 

 

 

 

Das 1988 uraufgeführte Erfolgsstück “Wolken.Heim.” entstand nach der eingehenden Beschäftigung Elfriede Jelineks mit philosophischen Schriften zum Mythos der deutschen Nation, die sich im Text immer wieder als “Wir” zu erkennen gibt. Diesem “Wir” legt Jelinek Zitate großer deutscher Dichter und Philosophen wie Hölderlin, Kleist, Fichte, Hegel und Heidegger in den Mund. Aber bereits der Titel „Wolken.Heim.“ ist im weiteren Sinn ein Zitat. Er spielt auf zwei Komödien des Aristophanes an: “Die Wolken”, eine Satire auf die sophistische Philosophie, sowie “Die Vögel”, in der zwei athenische Bürger eine Stadt zwischen Himmel und Erde, Menschen und Göttern, gründen. Aus Letzterer leitet sich das „Wolkenkuckucksheim“ ab, das seit dem 19. Jahrhundert für Weltflucht und Realitätsverlust steht. “Der Kuckuck ist in ‘Wolken.Heim.‘ durch einen Punkt ersetzt, der Punkt an dem man nicht rühren darf: Deutschland als Kuckucksei.” (Stefanie Kaplan). Den deutschen Idealismus mit seinen Nationalbestrebungen in Folge der napoleonischen Fremdherrschaft mit der Entstehung des Nationalsozialismus in Zusammenhang zu bringen, ist ein geschichtsphilosophischer Topos. Jelineks nationalistische Wiedergänger treffen jedoch drei Jahrzehnte nach ihrem Entstehen nur umso deutlicher ins Schwarze des politischen Geschehens: “Da glauben wir immer, wir wären ganz außerhalb. Und dann stehen wir plötzlich in der Mitte.” Und so wirkt Jelineks Text 2018 wie eine politische Rechtfertigungsrede der Deutschen für Fremdenfeindlichkeit und innere Abgrenzungsbestrebungen. Phrasen wie “Wir sind wir und wohnen gut in uns.” sowie “Und worauf stützt sich unsere Sicherheit? Wir sind zu Hause und süße Linden duften neben den Buchen des Mittags, wenn im Kornfeld das Wachstum rauscht!” scheinen aktuellen Parteiprogrammen und Heimatministerien anvertraut. Aber auch neoliberale Konzepte lassen sich im jelinek’schen “Wir”-Chorus finden: “Das Entscheidende im Führen ist nicht das bloße Vorangehen, sondern die Kraft zum Alleingehenkönnen. Nicht aus Eigensinn und Herrschaftsgelüsten, sondern kraft einer tiefen Bestimmung und weitester Verpflichtung. Solche Kraft bindet an das Wesentliche, schafft die Auslese der Besten.” Jelineks in hochartifizieller Versprosa und manischer “Wir”-Form verfasster Identitäts- und Heimatmonolog wird zum Spiegel unserer Gegenwart, der uns gleichermaßen die erschreckende Ansteckungsgefahr des “Wir-Gefühls” wie die Wiederkehr nationalistischer Sprach- und Denkmuster vor Augen hält.

Mit einer ersten Regiearbeit beim Marstallplan 2015 hat sich Matthias Rippert bereits in München vorgestellt. Im Rahmen des Marstalljahresplans setzt er nach “Das Licht im Kasten. Strasse? Stadt? Nicht mit mir!” am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken seine Auseinandersetzung mit Elfriede Jelinek fort.

Vorstellungsdauer: noch nicht bekannt

Veranstaltungsort: Marstall

Quelle: https://www.residenztheater.de/

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