Ur

Ur

von Sulayman Al Bassam
Deutsch von Frank Weigand
Uraufführung

 

Regie: Sulayman Al Bassam
Bühne + Licht: Eric Soyer
Kostüme: Carlos J. Soto
Musik: Khyam Allami
Dramaturgie: Sebastian Huber

 

 

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Besetzung

Lara Ailo: Nil Gal
Tim Werths: Elam/Andrae
Hala Omran: Priesterin
Dalia Naous: Diyala
Anna Graenzer: Fotograf/Frau in 2035
Marina Blanke: Fotograf/Frau in 2035
Mohammed Al Rashi: Nanna/Enlil/Hammoudi
Gunther Eckes: Delitzch/Khaled Al Asaad
Bijan Zamani: Koldewey/Mann in 2035
Ensemble: Skarabäus/IS-Soldaten/Kaiser Wilhelm II.

 

Das Jahr 2008 brachte die Wende: Seither leben weltweit mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Nur wenige Jahre zuvor hatte der berühmte Stadtplaner John Friedmann erklärt: “Die Stadt ist tot.” Seit Jahrhunderten und Jahrtausenden habe die Stadt als ein Ort der Freiheit, des ungehinderten Austausches zwischen ihren Bewohnern, der Künste, der Wissenschaften und des Handels gegolten. Seit dem 20. Jahrhundert betrachteten Städte sich hauptsächlich als Wettbewerber in einer weltweiten Konkurrenz um Standortvorteile, Wohlstand und Arbeitsplätze.

Ur in Mesopotamien ist eine der ältesten Städte der Welt. Über ihr Ende um das Jahr 2000 v. Chr. liegen Fragmente eines sumerischen Textes vor. Einige wenige Zeilen aus dieser “Klage über die Zerstörung der Stadt Ur” hat der kuwaitische Autor und Regisseur Sulayman Al Bassam als Ausgangspunkt für sein neues Stück genommen. Darin weigert sich die Göttertochter und Herrscherin von Ur, NinGal, die Idee der offenen Stadt angesichts einer militärischen Bedrohung von außen aufzugeben. Sie verfolgt ein poetisches Projekt, das an die Stelle der bewaffneten Auseinandersetzung die Dichtkunst, an die Stelle der geschlossenen Tore den freien intellektuellen, emotionalen und erotischen Austausch setzt. Sie nimmt die materielle Zerstörung der Stadt in Kauf, um ihre Idee und die Erinnerung an sie zu erhalten. Sie ist eine Tyrannin des Textes, in dem Bestand haben soll, was sich in der Wirklichkeit nicht bewahren lässt.

Aber die Erinnerung erweist sich nur als ein weiteres Schlachtfeld: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts graben deutsche Archäologen im Auftrag der Deutschen Orient-Gesellschaft in den Ruinen von Babylon. Sie versuchen, das alte mesopotamische Erbe zu kolonisieren und für die ideologischen Debatten ihrer Zeit nutzbar zu machen. Hier hoffen sie, die Ursprünge der arischen Rasse zu finden und mithilfe der alten Texte das Christentum von seinen jüdischen Wurzeln zu “befreien”. Im Jahr 2015 entführt der IS den syrischen Archäologen Khaled al-Asaad. Auch unter Folter gibt er die Lage bestimmter Artefakte in Palmyra nicht preis, um ihre Zerstörung zu verhindern. Er wird öffentlich enthauptet. Die Steine, denen NinGal das Wissen und die Poesie ihrer Zeit anvertraut hat, sind unliebsame Zeugen eines “falschen” Erbes und sollen daran gehindert werden, weiterhin zu sprechen.

Sulayman Al Bassams “Ur” ist die Skizze zu einer Archäologie des Zusammenlebens von Menschen auf begrenztem Raum, zu Formen des kulturellen Gedächtnisses und Vergessens. Dafür bringt er ein Ensemble aus arabischsprachigen Schauspielerinnen und Schauspielern sowie Mitgliedern des Residenztheater-Ensembles zusammen.

Vorstellungsdauer: folgt

Veranstaltungsort: Marstall

Quelle: https://www.residenztheater.de/

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