Marat/Sade

Marat/Sade

von Peter Weiss

 

Regie: Tina Lanik
Bühne + Kostüme: Stefan Hageneier

 

 

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Besetzung

Premiere 27 Sep 18

 

 

 

 

 

 

 

Der Direktor der Heilanstalt Charenton lädt im Jahre 1808 Gäste und Insassen zum grotesken Revolutionstheater des Marquis de Sade. Als Autor und Regisseur treibt de Sade, dieser “Vorkämpfer der absolut freien Menschen” (Peter Weiss), die Geister der Französischen Revolution vor sich her. Denn deren Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit scheinen fast zwanzig Jahre nach der Revolution bereits für immer verloren. Radikaler Individualismus steht auf der Tagesordnung. Die Freiheit des Einzelnen geht stets auf Kosten anderer und auch die Brüderlichkeit scheint zum Nationalismus verkommen. Die Darstellung der Ermordung des Kämpfers für die Rechte des einfachen Volkes Jean Paul Marats in einer Badewanne kommentiert de Sade mit seiner eigenen zynischen Erfahrung gegenüber einer Revolution, die “zu Ende geführt (wurde) von Kaiser Napoleon”. Während der extreme Sozialist Marat und der skeptische Individualist de Sade noch über die Notwendigkeit sozialer Umwälzung debattieren, lässt de Sade dreimal die Mörderin Marats, Charlotte Corday, auftreten. Die Landadlige und ihr Liebhaber, der girondistische Abgeordnete Duperret, eröffnen als konservative Patrioten den Totentanz der Restauration. Dagegen läuft der radikale Priester Jacques Roux Sturm und ruft zum letzten Gefecht. Chancenlos stellt sich Marat gegen die Lügen vom “idealen Staat” und dem “heiligen Rechte der Bereicherung“, denn längst will auch das Volk sein Stück vom Kuchen und fordert: “Marat wir wollen keine Tüten kleben/ Marat wir wollen im Wohlstand leben.”

Mehr als fünf Jahrzehnte nach der Uraufführung, die Peter Weiss am 29. April 1964 über Nacht als Theaterautor weltberühmt gemacht hat, stellen sich die Fragen nach Freiheit und Gerechtigkeit gerade wegen fehlender volksnaher, revolutionärer Ideen immer wieder neu. Mit den fiktiven Gesprächen zwischen dem Marquis de Sade und Jean Paul Marat hat Peter Weiss eine der Kernfragen der 68er-Generation vorweggenommen: Muss man auf dem Weg zu individueller Freiheit zuerst die äußeren Umstände ändern? Oder gilt es, unabhängig von den politischen Verhältnissen die “Gefängnisse des Innern” zu sprengen? Die nachrevolutionäre Revanche für die Niederlage gelingt Weiss mit der Beschränkung der geschichtlichen Ereignisse auf ihre Darstellung durch Geisteskranke. Dabei werden die “eindrucksvollen Ideen über Moral und Politik keineswegs zur bloßen ‘Tollheit’. Wenn argumentiert wird, dann wird stichhaltig argumentiert; der Irrsinn fungiert vorwiegend als Vermittler der Intensität, des ungeheuren Gewichts dieser Ideen” (Susan Sontag). Peter Weiss’ Drama, von Tina Lanik inszeniert, ist geschichtsphilosophische Reflexion und wahnwitziges Theaterspektakel zugleich und Dank seiner radikalen Offenheit bis heute kontrovers.

 

Vorstellungsdauer: n.n.

Veranstaltungsort: Residenztheater

Quelle: https://www.residenztheater.de/

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