Elektra 4.48 Psychose

Elektra 4.48 Psychose

von Hugo von Hofmannsthal Sarah Kane

 

Regie + Bühne: Ulrich Rasche
Kostüme: Romy Springsguth
Musik: Monika Roscher

 

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Besetzung

Premiere 15 Feb 19

 

 

 

 

 

 

 

Elektra ist eine Figur des Widerstands. Ihre Mutter Klytämnestra hat gemeinsam mit ihrem Geliebten ihren Gatten Agamemnon erschlagen und die Herrschaft in Mykene übernommen. Elektra wird sich damit nicht abfinden. Das vergangene Unrecht ist ihre Gegenwart, das Zentrum ihres Verständnisses von sich und der Welt.

Bei Sophokles, auf dessen “Elektra” Hugo von Hofmannsthals Version des Dramas zurückgeht, hatte Klytämnestra sich noch auf ihr eigenes Recht auf Rache berufen. Der Mord an Agamemnon war in ihren Augen die gerechte Antwort auf seine Verbrechen. In der “Orestie” des Aischylos tritt am Ende ein Gerichtshof unter Vorsitz der Göttin Athene zusammen, um die Frage zu lösen, was schwerer wiege, der Gattenmord Klytämnestras oder der Muttermord, den der zurückgekehrte Orest schließlich an ihr vollzieht.

In Hofmannsthals “Elektra” spielen derartige Abwägungen keine Rolle. Versöhnung ist hier keine Option. Als die Schauspielerin Gertrud Eysoldt das Stück erstmals liest, schreibt sie an Hofmannsthal: “Ich schreie auf unter dieser Gewaltthätigkeit.” “Ich fürchte mich vor meinen eigenen Kräften.” “Ich möchte mir selbst entfliehen.” In diesen drei Sätzen steckt das ganze Drama: die Gewalt, gegen die Elektra sich auflehnt, die Kraft, die ihr daraus erwächst, das Gefängnis, das die Identität aus dem “Gesetz des Vaters” für sie bedeutet. Elektras Widerstand richtet sich nicht nur gegen das offensichtliche Unrecht, sondern in letzter Konsequenz gegen das Leben selbst. “Wenn ich längst damit lebe, mich längst damit abgefunden habe, wenn die Tage dahingehn und ich nicht mal mehr daran denke, wird sie immer noch tot sein. Wenn ich längst auf der Straße gelandet bin, eine alte Frau, mein Name vergessen, wird sie immer noch tot sein, sie wird immer noch tot sein, scheiß drauf.” Eine verbleichende Erinnerung könnte die namenlose Ich-Figur in Sarah Kanes letztem Stück “4.48 Psychose” mit Elektra verbinden. Wie Elektra ist sie “ein Kind der Verneinung”, ist ihre Auflehnung gegen die Welt elementar, steht in diesem Kampf die eigene Existenz auf dem Spiel. “Ich will nicht leben müssen in so einer Welt.” Aber das Gegenüber ist abhandengekommen, das begründende Unrecht, der Punkt des Widerstands. Wenn man in gewisser Hinsicht sagen könnte, dass Elektra in ihrer Mutter und ihrer Schwester auch Aspekte ihrer selbst bekämpft, so ist in den frühen Morgenstunden von Sarah Kanes Text nur noch sie selbst ihr Feind.

Ulrich Rasche wird, in seiner zweiten Inszenierung am Residenztheater nach Schillers “Die Räuber”, die Texte dieser ungleichen Schwestern zu einem Abend verbinden.

 

Vorstellungsdauer: n.n.

Veranstaltungsort: Residenztheater

Quelle: https://www.residenztheater.de/

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