Die Verlobung in St. Domingo

Die Verlobung in St. Domingo

von Heinrich von Kleist

 

Regie: Robert Borgmann
Bühne: Rocco Peuker
Kostüme: Bettina Werner

 

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Besetzung

Premiere 29 Sep 18

 

 

 

 

 

 

 

“Man sagt hier den 21. November; wir wissen aber nicht ob es wahr ist”, schreibt Heinrich von Kleist 1811 an seinem Todestag. Kurz darauf schießt der Dichter seiner Gefährtin Henriette Vogel ins Herz und jagt sich eine Kugel durch den Kopf. “Ach”, ruft Toni und dies waren ihre letzten Worte in Kleists Novelle: “Du hättest mir nicht misstrauen sollen!”, nachdem ihr der Geliebte Gustav ins Herz schoss, woraufhin er sich eine Kugel durch den Kopf jagte. Und wir wissen nicht, was Congo Hoango sagte, als er seinem Herrn eine Kugel durch den Kopf jagte, aber es geht die Legende, dass die aufbegehrenden schwarzen Jakobiner 1791 in St. Domingo die Marseillaise sangen, als sie gegen die Kolonialherren rebellierten, sich in zwölf Jahren blutigen Bürgerkriegs die Freiheit erkämpften und so “die Unteilbarkeit der Aufklärung bewiesen” (Susan Buck-Morss). Der einzige erfolgreiche Sklavenaufstand der Weltgeschichte. Congo Hoango stammte von der Goldküste, ein Küstenstreifen Westafrikas, von Europäern so getauft, weil sie dort Gold gegen Waren, Menschen gegen Gold, oder Waren gegen Menschen eintauschten. Congo Hoango galt als treu und rechtschaffen gegenüber seinem Herrn, welcher ihn, nachdem er ihm auf einer Überfahrt nach Kuba das Leben rettete, aus Dankbarkeit mit Wohltaten überhäufte, ihm die Freiheit, Haus und Hof schenkte, ihn mit sechzig in den Ruhestand versetzte und in seinem Testament bedachte. Und trotzdem, sobald der allgemeine Taumel der Rache aufloderte, schoss ihm Congo Hoango nicht nur eine Kugel durch den Kopf, sondern “steckte das Haus, worein die Gemahlin desselben mit ihren drei Kindern und den übrigen Weißen der Niederlassung sich geflüchtet hatte, in Brand, verwüstete die ganze Pflanzung […] und zog, als sämtliche zur Besitzung gehörige Etablissements der Erde gleich gemacht waren, mit den Negern, die er versammelt und bewaffnet hatte, in der Nachbarschaft umher, um seinen Mitbrüdern in dem Kampfe gegen die Weißen beizustehen.” – So viel allein in Kleists erstem Absatz zum historischen Kontext der Figuren seiner empfindsamen Liebesgeschichte. Der Text rührt an die Anfänge der bis heute herrschenden Dynamik der Kolonialisierung, der Verknüpfung von Rassismus und Kapitalismus: “Im Übrigen war ‘Neger’ stets der Name schlechthin für den Sklaven – das menschliche Metall, die menschliche Ware und das menschliche Geld”, schreibt Achille Mbembe. Kleists Novelle ist ein zeitgenössisches Zeugnis einer Auseinandersetzung mit dem Fremden, dem Anderen, dem Subalternen, die die bengalische Autorin Gayatri Chakravorty Spivak als unsere letzte Chance sieht, eine interkulturelle Verständigung überhaupt noch zu erreichen. Alle Sprachregelungen und Gesten des “den anderen für sich selbst sprechen zu lassen” entlarvt sie en passant als uneingestandene Selbsterhöhung. Ein utopisches Moment bleibt, in dem wir lernen, literarische und kulturelle Erzeugnisse aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Vorstellungsdauer: noch nicht bekannt

Veranstaltungsort: Cuvilliestheater

Quelle: https://www.residenztheater.de/

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