Der Spieler

Der Spieler

von Fjodor M. Dostojewskij

 

Regie: Andreas Kriegenburg
Bühne: Harald B. Thor
Kostüme: Andrea Schraad

 

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Besetzung

Premiere 14 Dez 18

 

 

 

 

 

 

 

Mit dem “Spieler“ setzt Dostojewskij alles auf eine Karte. Der große Schriftsteller ist ein Wrack: Seit seiner Europareise 1862 spielsüchtig, eilt er jahrelang rastlos hin und her, zwischen Russland und dem Westen, zwischen seiner schwerkranken Frau in Moskau und der jungen Apollinaria Suslowa, in die er verheerend verliebt ist, von Schulden und epileptischen Anfällen nahezu aufgefressen. Als seine Frau und sein Bruder sterben und die Gläubiger nicht mehr aufzuhalten sind, sucht er den Befreiungsschlag. Vom Verleger Stellowski borgt er sich die rettenden 3000 Rubel und sichert ihm dafür einen fertigen Roman zu: Stichtag 1.11.1866, in etwas mehr als einem Jahr. Vertraglich wird festgeschrieben, dass, sollte der Roman nicht fristgerecht fertig sein, in den nächsten neun Jahren die Rechte aller bereits vollendeten und noch folgenden Werke völlig an Stellowski abzutreten sind. Ein Teufelspakt. Doch ungerührt arbeitet Dostojewskij erstmal weiter an seinem spektakulären Epos “Verbrechen und Strafe“, dem “größten Kriminalroman aller Zeiten“ (Thomas Mann), bis er sich etwa einen Monat vor Fristende der Vertragsschuld besinnt. In nur 26 Tagen entsteht “Der Spieler“, den er einer Stenographin diktiert, zum Teil in medias res ohne schriftliche Notizen, und in letzter rettender Sekunde dem advocatus diaboli überbringen lässt. Die Stenographin wird wenige Monate nach der Niederschrift Dostojewskijs zweite Frau, “Der Spieler“ weltberühmt, Dostojewskij wenige Jahre später seine Spielsucht überwinden und sich endgültig in die Weltliteratur einschreiben.

So kann man den fiebrigen “Spieler“ als befreiende persönliche Aufarbeitung und biographischen Wendepunkt lesen. Zugleich zeigt sich in der literarischen Teufelsaustreibung ein rasendes, getriebenes, sich auflösendes Ich, das mit atemlosen Schritten der Moderne und ihren Extremen zueilt. Der Text folgt dem jungen Hauslehrer Alexej Iwanowitsch und seiner russischen Enklave zu den deutschen Spieltischen, wirbelt ähnlich der Roulettekugel, die hier fast alles entscheidet, durch die Hotelzimmer, wo der Tod der Erbtante sehnlich erwartet wird, um an neues Geld und mit diesem an die Herzen der Frauen zu kommen, sie alle zwischen Spiel und Trieb, Liebe und Hass, Geld und Gier heimatlos, wartend im Herzen der Finsternis, das hier “Roulettenburg“ heißt. Der eigenen Ortlosigkeit begegnet man mit Chauvinismus, dem Sadismus der anderen mit Lust, der Liebe mit Verachtung. Ein Ende des Spiels ist nicht in Sicht. Und nirgends ein Gott, der die Kugel stoppt. Gott sei Dank.

 

Vorstellungsdauer: n.n.

Veranstaltungsort: Residenztheater

Quelle: https://www.residenztheater.de/

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