Theaterjugendring München

Wartesaal

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Wartesaal

Nach den Romanen „Erfolg“, „Geschwister Oppermann“ und „Exil“ von Lion Feuchtwanger

 

Inszenierung: Stefan Pucher
Bühne: Barbara Ehnes
Kostüme: Annabelle Witt
Video: Ute Schall
Musik: Christopher Uhe
Dramaturgie: Tarun Kade, Malte Ubenauf

 

 

 

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Besetzung

n.n.

Uraufführung im November 2017

 

 

 

 

 

Berlin, München, Paris – so heißen die zentralen Stationen jener drei Romane, die der Münchner Schriftsteller Lion Feuchtwanger in den Jahren 1930 bis 1939 verfasste und mit der treffenden Gesamtüberschrift „Wartesaal-Trilogie“ versah. In den Einzelbänden „Die Geschwister Oppermann“, „Erfolg“ und „Exil“ thematisiert Feuchtwanger auf erschütternd vorausschauende Weise den gesellschaftspolitischen Vorraum des Nationalsozialismus in Deutschland und nimmt die Transformation der Weimarer Republik in das faschistische Regime aus so unterschiedlichen Perspektiven in den Blick, wie kaum andere AutorInnen seiner Zeit. Die Hellsichtigkeit, mit der Feuchtwanger die Figuren seiner Romane IM WARTESAAL GESELLSCHAFTSPOLITISCHER UMBRÜCHE agieren lässt, ist das Ergebnis einer eigenwilligen künstlerischen Vorgehensweise: Feuchtwanger versetzte sich selbst in eine für ihn weit entfernte Zukunft (er nannte einmal das Jahr 2000), um über das, was noch gar nicht geschehen ist, in der Vergangenheitsform schreiben zu können. Feuchtwanger wollte kein Wahrsager sein, sondern jemand, der WIEDERHOLUNGSMUSTER MENSCHLICHEN VERHALTENS IN SITUATIONEN GEFAHRVOLLEN WANDELS aufdeckt und im Erzählen erkundet. So auch in den drei Romanen der „Wartesaal-Trilogie“. Von zahllosen Beobachtungsposten aus blickt Feuchtwanger auf die Verhaltensweisen seiner Figuren: Er lässt die Mitglieder eines Berliner Familienunternehmens kühl das eigene wirtschaftliche Überleben kalkulieren oder naiv darauf hoffen, dass alles so bleiben wird, wie es war („Die Geschwister Oppermann“), er protokolliert, wie Münchner AmtsträgerInnen aus Politik und Rechtswesen zu Karrieristen des aufkommenden Naziregmies mutieren und zu ihrem eigenen Vorteil eine Verschwörung anzetteln, die für das Opfer tödlich endet („Erfolg“); schließlich betrachtet Feuchtwanger einen vor den Nazis von München nach Paris geflüchteten Künstler, der im Emigrantenmilieu der französischen Hauptstadt einen publizistischen Kampf zur Befreiung eines nach Deutschland verschleppten Journalisten anführt („Exil“).
Der Regisseur Stefan Pucher, der in der Spielzeit 2015/16 T. C. Boyles Roman „América“ an den Kammerspielen inszenierte, spinnt in seiner Beschäftigung mit der Trilogie Feuchtwangers dessen künstlerische Strategie fort. Nicht die Gegenwart ist es, von der aus er Fenster um Fenster in die Literatur Lion Feuchtwangers öffnet. Sondern die zukünftige Vergangenheit des Jahres 2017.

 

Vorstellungsdauer:

 

Veranstaltungsort: Münchner Kammerspiele, Kammer 1

 

Quelle: https://www.muenchner-kammerspiele.de/