Rückkehr in die Wüste

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Rückkehr in die Wüste

von Bernard-Marie Koltès

 

Regie: Amélie Niermeyer
Bühne: Alexander Müller-Elmau
Kostüme: Annelies Vanlaere
Musik: Fabian Kalker

 

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Besetzung

Juliane Köhler Mathilde Serpenoise
Götz Schulte Adrien, ihr Bruder, Industrieller
Thomas Lettow Mathieu, Sohn Adriens
Mathilde Bundschuh Fatima, Tochter Mathildes
Max Koch Edouard, Sohn Mathildes
Barbara Melzl Marie Rozerieulles, erste Frau Adriens
Barbara Melzl Marthe, ihre Schwester, 2. Frau Adriens
Katharina Pichler Maame Queuleu, Angestellte
Bijan Zamani Aziz, Angestellter
Ricky Watson Der große schwarze Fallschirmspringer
Jörg Lichtenstein Plantieres, Polizeipräfekt
Arthur Klemt Borny, Rechtsanwalt
Joachim Nimtz Sablon, Präfekt des Départements
Bayram Celik Saifi, Wirt
Nagdi Nazmi Saifi, Wirt
Elisabeth Wirth Musiker (live)
Fabian Kalker Musiker (live)

 

Programmheft
Podcast

 

Für den Industriellen Adrian Serpenoise ist der Boden unter seinen Füßen der “Mittelpunkt der Welt, dahinter kommt schon gleich der Rand, und wenn du dem Rand zu nahe kommst, fällst du runter“. Er erklärt sein Beharren auf allem Vertrauten und Nationalen seinem Sohn Mathieu, den er hinter den Mauern des Familienbesitzes vor fremden Gefahren verborgen hält. Doch Mathieu will die Wüste der französischen Provinz verlassen. Sein Cousin Edouard hat ihm von Algerien und dem Krieg erzählt. Mathieu möchte ein Held sein, sein Leben aufs Spiel setzen. Er will nicht erben, er will sterben.

Adrians Schwester Mathilde ist mit ihren beiden Kindern Edouard und Fatima aus Nordafrika in die kleine Stadt zurückgekehrt. Ihr Bruder kümmert sich dort seit fünfzehn Jahren um die Fabrik und den gemeinsamen Familiensitz. Jetzt fordert Mathilde ihr Erbe ein und sie will Rache. Mit Hilfe seiner Freunde, die heute alle gut situierte Bürger der Provinzstadt sind, hatte Adrian seine Schwester und ihren unehelichen Sohn vertrieben. Jetzt sind, nach Meinung der Freunde, die Algerier dran. Mathilde dagegen fühlt sich in Frankreich und Algerien als Fremde und fragt sich, ob Heimat “der Ort ist, wo man nicht ist“. Trotzdem oder gerade deshalb streitet Mathilde bis aufs Äußerste mit ihrem Bruder Adrian um den Familienbesitz. Ihr Streit um das Erbe wird zur aberwitzigen Farce, die das Dienstpersonal und die gesamte Familie mit glühendem Hass und eisiger Kälte unter Wechselstrom setzt. Da explodiert im Café Saifi eine Bombe. Ein Sondertrupp der Armee, der “Wache steht zwischen Himmel und Hölle“, sorgt für Friedhofsruhe in der französischen Provinz.

Zwei Jahre vor seinem frühen Tod schrieb Bernard-Marie Koltès (1948-1989) sein Theaterstück “Rückkehr in die Wüste“, das er selbst im Sinne Tschechows eine Komödie nennt. Er verarbeitete darin früheste Jugenderinnerungen. Koltès ist in Metz aufgewachsen. Sein Vater war Offizier, “rechts natürlich“, und sein gutbürgerliches Gymnasium lag mitten im arabischen Viertel. “In Metz ist das sehr hochgekocht, we en der Stahlindustrie gab es eine riesige arabische Gemeinde. Während der ganzen Zeit, in der Cafés in die Luft flogen, gingen wir unter Polizeischutz zur Schule.“ Koltès hatte den Algerienkrieg aus der Distanz erlebt und die Schutzburg der bürgerlichen Familie gleich nach dem Abitur verlassen. Mitte der 1980er Jahre wurde er zu einem international erfolgreichen Schriftsteller, der mit seinem schonungslosen Blick auf die Vorurteile gegen alles Fremde sowie einem grundsätzlichen Misstrauen seiner Figuren gegenüber der Möglichkeit eines gesellschaftlichen Zusammenhalts von aktuellem Interesse ist. Selbstbezogene Bürger nehmen ihre Sicherheit und ihre Zukunft in die eigene Hand und bekunden ihren Vertrauensverlust an Staat und Gesellschaft mit der “Rückkehr in die Wüste“ eines hinter kamerabestückten Wohnanlagen gesicherten, privaten Glücks.

 

Vorstellungsdauer: ca. 2 Std. 30, eine Pause

Veranstaltungsort: Residenztheater

Quelle: https://www.residenztheater.de/