Richard III

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Richard III

von Maxim Gorki

 

Regie: Michael Thalheimer
Bühne: Olaf Altmann
Musik: Bert Wrede

 

 

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Besetzung

Premiere 08. Dezember 2017

n.n.

 

 

 

 

 

Die Zeit scheint auf den Schurken gewartet zu haben. Nach einer langen Phase der Kriege im Inneren wie im Äußeren ist zwar die “Sonne Yorks” über England aufgegangen, die Machtfrage aber nur sehr vorläufig und fadenscheinig geklärt. Der Herrscher, der nach dem Sieg über die Lancasters den Thron bestiegen hat, ist krank und ausgezehrt. Politik hatte er sowieso nicht im Sinn, seit ihn seine Brüder an die Macht geputscht haben. Vor den müden Augen des Monarchen schwören die rivalisierenden Teile der Herrscherfamilie Versöhnung und Einigkeit, hinter seinem Rücken aber toben längst die nächsten Verteilungskämpfe. “Die Auflösung des politischen Bands produziert einen zerstückelten politischen Körper: fadenscheinige Genealogien, getürkte Erbfolgen, Anmaßungen und Wunderglaube, zur Unzeit sterbende oder falsche Souveräne, der zufällige Wechsel politischen und militärischen Glücks setzen Kräfte und Dynamiken frei, die sich gesetzlos und anarchisch nicht mehr dem Passepartout eines politischen Wesens fügen. So sehr man sich hier allerseits dem Genießen der Macht verschreibt, so sehr ist eben diese Macht ungenießbar, weil angefault und schließlich unauffindbar und ortlos geworden” (Joseph Vogl). Unter solchen Umständen erscheint der Schurke, als der Richard III., jüngster Bruder des noch amtierenden Königs, sich gleich zu Beginn des Stücks präsentiert, als ein unerbittlicher Analytiker der Macht. Seine Lügen machen die Verlogenheiten des politischen Personals sichtbar, seine Verstellungen reißen seinen Kontrahenten die konventionellen Masken vom Gesicht. Er, der nach politischer Legitimation und persönlicher Erscheinung der Macht am entferntesten steht, behauptet sich als „Virtuose der Potenz. Seine Strategie folgt einer Dynamik der Eskalation, geht an die Grenzen des Möglichen und nimmt einen Weg, der das Gelingen nicht aus der Mitte heraus, sondern vom Extrem her bestimmt. In dieser Hinsicht ist er das unerreichte Maß aller“ (Joseph Vogl). Damit ist sein Erfolg ebenso von heute wie sein Scheitern. Beides liegt in Richards erschütterndem Ein-Satz-Programm begründet, das allem, dem falschen Spiel und seiner Aufdeckung, der panischen Lust am Aufstieg wie am Untergang, dem wilden Humor wie der kalten Verachtung zugrunde liegt: “I am myself alone” – “Ich bin ich selbst allein”.

 

Vorstellungsdauer: n.n.

 

Veranstaltungsort: Residenztheater

 

Quelle: https://www.residenztheater.de/