Theaterjugendring München

No Sex

Print Friendly, PDF & Email

No Sex

von Toshiki Okada

 

Inszenierung: Toshiki Okada
Bühne: Dominic Huber
Kostüm: Perret Schaad
Dramaturgie: Tarun Kade

 

Wie hat Ihnen/Dir die Vorstellung "No Sex" gefallen?

Ergebnis ansehen

Loading ... Loading ...

Besetzung

n.n.

Uraufführung im April 2018

 

 

 

 

 

„Mendokusai“ sagt man im Japanischen, wenn etwas zu mühevoll oder zu aufwändig erscheint, man sich nicht aufraffen kann oder schlicht keine Lust hat. Es ist ein häufig genutzter Ausdruck: Kinder sagen es zu ihren Eltern, wenn sie ihr Zimmer nicht aufräumen wollen oder keine Lust haben zu duschen, Erwachsene wenn sie genervt sind, weil sie Büroarbeit erledigen oder sich mit einer aufreibenden Beziehung herumschlagen müssen. Oder sich gar nicht erst auf eine Beziehung einlassen wollen, weil die Vereinbarung von Karriere und Liebesleben einfach zu anstrengend ist. Der Ausdruck „Mendokusai“ fällt auch häufig, wenn es um Statistiken geht, laut denen immer mehr Menschen unter vierzig immer weniger Sex haben: „Ich finde schon einige meiner Freundinnen attraktiv, aber ICH HABE GELERNT, OHNE SEX ZU LEBEN. Emotionale Verstrickungen sind einfach zu kompliziert. Da habe ich keine Lust drauf“, wird ein junger Mann in einem Artikel der englischen Zeitung „The Guardian“ zitiert, die sich ausgiebig mit diesem Phänomen beschäftigt hat, das nicht nur in Japan und Großbritannien immer zahlreichere Anhänger findet.
Ist dieser Zustand fehlenden Verlangens ein systemisch hervorgebrachter Missstand? Werden Liebesbeziehungen zum bloßen Stressfaktor, weil das Laufen im Hamsterrad und die gleichzeitige ökonomische Unsicherheit keine ausreichende Stabilität für emotionale Bindungen mehr gewährleisten? Oder steckt in diesem „I would prefer not to“ auch ein subversiver Akt, eine Bartleby-artige VERWEIGERUNG VON EFFIZIENZ und gesellschaftlicher Erwartung? Was passiert, wenn sich immer mehr dem Diktat der LUST AUF DIE LUST entziehen, weil sie eben keine Lust mehr auf die Spaßgesellschaft und ihr Dogma der allzeit bereiten Verfügbarkeit haben? NO SEX AND THE CITY als Gegenmodell zum klassischen Familienmodell?
Der Regisseur Toshiki Okada und seine Gruppe chelfitsch feierten 2004 ihren ersten internationalen Erfolg mit dem Stück „5 Days in March“, in dem zwei junge Menschen vor der Welt da draußen in ein Love Hotel flüchten, um fünf Tage lang vornehmlich Sex zu haben, anstatt sich mit dem beginnenden Irakkrieg auseinanderzusetzen. In seiner dritten Inszenierung an den Münchner Kammerspielen, nach „Hot Pepper, Air Conditioner and the Farewell Speech“ und in der vergangenen Spielzeit „No¯ Theater“, erzählt Toshiki Okada, der als Jugendlicher nur äußerst ungern über Sex gesprochen hat, nun von dem Zustand der Lustlosigkeit in einer Lust-Gesellschaft. Ein Zeitenwandel? „Mendokusai“! Voller Scham, voller Zartheit, voller Komik.

 

Vorstellungsdauer:

 

Veranstaltungsort: Münchner Kammerspiele, Kammer 1

 

Quelle: https://www.muenchner-kammerspiele.de/