Theaterjugendring München

La Juive

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La Juive

Oper in fünf Akten

Komponist Fromental Halévy · Libretto von Eugène Scribe
In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

 

Musikalische Leitung: Bertrand de Billy
Inszenierung: Calixto Bieito
Bühne: Rebecca Ringst
Kostüme: Ingo Krügler
Video: Sarah Derendinger
Licht: Michael Bauer
Dramaturgie: Benedikt Stampfli
Chor: Sören Eckhoff

 

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Besetzung

Rachel, Éléazars Tochter: Aleksandra Kurzak
Le Juif Éléazar: Roberto Alagna
Léopold, Reichsfürst: Edgardo Rocha
La Princesse Eudoxie: Hanna-Elisabeth Müller
Le Cardinal Jean-François de Brogni: Ante Jerkunica
Ruggiero: Johannes Kammler
Albert: Andreas Wolf
Ausrufer des kaiserlichen Heeres: Christian Rieger
Henker: Peter Lobert

Bayerisches Staatsorchester
Chor der Bayerischen Staatsoper

 

Sie gehörte im 19. Jahrhundert zu den meistgespielten Werken: Fromental Halévys Grand Opéra La Juive. Während der Nazidiktatur verschwand sie jedoch von den Spielplänen und gelangte erst in den vergangenen 25 Jahren wieder vermehrt auf die Bühne. Zwischen den eindrucksvollen Tableaus, die das Konstanzer Konzil 1414-18 zeigen, entfaltet die Oper einen fatalen Religionskonflikt zwischen dem Kardinal Brogni und dem jüdischen Goldschmied Éléazar. 

Bevor Brogni Kardinal wurde, war er in Rom Statthalter. Als die Neapolitaner kamen, fiel sein Haus den Flammen zum Opfer. Dabei starb seine Frau. Éléazar rettete damals Brognis Tochter. Brogni ahnt jedoch nicht, dass Éléazar seine Tochter bei sich als Rachel aufgezogen hat. Éléazar aber weiß, dass Rachel keine Jüdin ist, und trotzdem lässt er sie über ihre Herkunft bis am Ende im Unklaren. Rachel verliebt sich in den Reichsfürsten Léopold. Auf Grund von Intrigen wird sie am Ende grausam öffentlich hingerichtet. Und die Menge geifert gierig dazu: „Ja, es ist geschehen! An den Juden sind wir gerächt!“ Was ist das für eine Gesellschaft, die erst zur Katharsis gelangen kann, wenn ein Sündenbock gefunden und getötet wird?

Erster Akt

Das Volk jubelt. Nicht nur haben die Truppen Kaiser Sigismunds die Hussiten zurückgeschlagen, so wird auch in Kürze das Konstanzer Konzil tagen, um die Spaltung innerhalb der lateinischen Kirche zu überwinden. Angesichts all dieser Ereignisse wurde die Eröffnung des Konzils zum Feiertag erklärt, an dem jegliche Arbeit strengstens verboten ist. Nur der jüdische Goldschmied Éléazar hält sich nicht an das Verbot. Daher verurteilt ihn der Schultheiß Ruggiero zum Tode. Auch die Bitten von Éléazars Tochter Rachel können ihn nicht umstimmen. Schließlich tritt Kardinal Brogni, der Präsident des Konzils, zwischen die Parteien. Er erkennt Éléazar wieder, auf den er bereits einmal in seiner einstigen Heimat Rom gestoßen war.

Als Magistrat hatte Brogni die Verbannung Éléazars veranlasst und war mitverantwortlich für die Hinrichtung von dessen Söhnen. Jedoch hatte auch Brogni Rom verlassen müssen, nachdem seine Frau und Tochter bei einem Überfall der Neapolitaner vermeintlich ums Leben gekommen waren. Nach diesem Schicksalsschlag war er in den geistlichen Stand eingetreten. Nun treffen die beiden zufällig in Konstanz wieder aufeinander. Aufgrund der gemeinsamen Vergangenheit bittet er Éléazar um Vergebung und begnadigt ihn. Éléazar jedoch schlägt die Entschuldigung aus und zürnt dem Kardinal weiterhin.

Indessen bestellt Rachel ihren heimlichen Geliebten zum abendlichen Pessachfest in das Haus ihres Vaters. Jedoch weiß sie nicht, dass sich hinter dem vermeintlichen Juden Samuel der christliche Reichsfürst Léopold verbirgt.

Das Volk drängt in der Zwischenzeit zusammen, um der festlichen Prozession des Kaisers beizuwohnen. Im Strom der Menge werden Rachel und Éléazar an die Domstufen gedrängt, die zu betreten ihnen als Juden nicht gestattet ist. Als Ruggiero den Verstoß erkennt, will er sie abermals hinrichten lassen. Dieses Mal kommt ihnen Léopold zu Hilfe. Er befiehlt seinem Feldwebel Albert die Wachen zurückzurufen, jedoch dafür Sorge zu tragen, dass niemand ihn erkennt. Rachel und Éléazar bleiben verblüfft zurück, können sie doch nicht verstehen, wie Léopold als vermeintlich einfacher Jude sie retten konnte.

Zweiter Akt

Am Abend versammeln sich Éléazar und seine Verwandten, um gemeinsam das Pessachfest zu zelebrieren. Als Gastgeber und Vorsänger spricht Éléazar das Gebet über den Seder und reicht das ungesäuerte Brot an die Versammelten. Léopold will jedoch nicht davon essen, ist er doch in Wahrheit ein Christ. Nur Rachel bemerkt dies.

Ein Klopfen an der Haustür unterbricht jäh das Mahl. Die Nichte des Kaisers, Prinzessin Eudoxie, möchte eine besonders aufwendig verzierte Kette von Éléazar erwerben, die sie am folgenden Tag ihrem Gatten Léopold als Pfand ihrer Liebe überreichen möchte. Als Léopold seine Gemahlin erkennt, verbirgt er sich im hintersten Winkel des Raumes. Währenddessen beauftragt Eudoxie Éléazar das Collier gravieren zu lassen und am kommenden Tag persönlich zu ihr in den Palast zu bringen.

Indessen hat Éléazar die Vertraulichkeit zwischen Léopold und Rachel bemerkt und bittet ihn zu gehen. Allein gelassen fragt sich Rachel, ob Léopold ihr gegenüber ehrlich ist. Léopold kann jedoch nicht von ihr lassen. Von Gewissensbissen gequält eröffnet er Rachel, dass er ein Christ ist. Rachel ist schockiert, weiß sie doch, dass eine Beziehung zwischen Christen und Juden unter Todesstrafe verboten ist. Da bedrängt Léopold sie, mit ihm zu fliehen. Rachel zögert. Sie ist hin- und hergerissen zwischen ihrer Verbundenheit zu ihrem jüdischen Vater und ihrer Liebe zu Léopold. Doch gerade als sie sich für den Geliebten und für eine gemeinsame Flucht entscheidet, platzt ihr Vater herein. Voller Zorn will er den Christen und Verführer seiner Tochter töten, wird jedoch von ihr abgehalten. Rachel bittet ihren Vater inständig, in eine Ehe mit Léopold einzuwilligen. Von der Liebe seiner Tochter gerührt stimmt Éléazar zu. Léopold jedoch schlägt die Heirat mit Rachel harsch aus und flieht. Diese bleibt mit gebrochenem Herzen zurück und beschließt ihm zu folgen, um sein Geheimnis vollends zu lüften.

Dritter Akt

Eudoxie sieht überglücklich der Vereinigung mit ihrem Gatten entgegen. Da erscheint Rachel und bittet darum, für die Feier anlässlich der Rückkehr Léopolds vom Schlachtfeld in den Dienst der Prinzessin treten zu dürfen. Rachel erhofft sich, Léopold dort zur Rede zu stellen. Nichts ahnend stellt Eudoxie sie ein.

Die Festversammlung ehrt den Mut und die Stärke Léopolds. Als Eudoxie ihrem Gatten das Schmuckstück umhängen will, das ihr Éléazar brachte, tritt Rachel dazwischen. Erst jetzt begreift sie, dass Léopold die ganze Zeit über bereits verheiratet war. Vor allen Versammelten klagt Rachel den Reichsfürsten des Treuebruchs mit einer Jüdin an. Diese ist sie selbst. Das Schweigen Léopolds bekräftigt ihren Vorwurf, woraufhin der anwesende Kardinal Brogni ihn, Rachel und Éléazar zum Tode verurteilt. Alle drei werden festgenommen und sollen hingerichtet werden.

Vierter Akt

Eudoxie sucht Rachel im Kerker auf. Inständig bittet sie die Jüdin, das Leben Léopolds zu retten, indem sie ihre Anklage widerrufe. Rachel sträubt sich. Sie wünscht sich zumindest im Tod mit Léopold vereint zu werden, den sie trotz des Verrates noch immer liebt. Doch angesichts der innigen Liebe Eudoxies lässt sie sich erweichen und verspricht, vor dem Gericht ihre Anschuldigung zu widerrufen. Die Rettung Léopolds soll Eudoxies letzte Tat gewesen sein. Sie sieht nach dem Verrat ihres Gemahls keinerlei Zukunft mehr für sich in diesem Leben und wünscht sich nur noch den Tod.

Brogni bereitet Rachel auf den Prozess vor. Sie ist entschlossen in den Tod zu gehen und stellt sich allein dem Gericht. Das Schicksal der Jüdin, die so jung sterben soll, erwecken in Brogni unerklärlicherweise väterliche Gefühle. Er will sie retten, weshalb er ihren Vater zu sich ruft. Im Vertrauen offenbart er Éléazar, dass er Rachel retten könnte, wenn er seinem Glauben abschwöre und sie taufen ließe. Empört weist der Jude dies von sich. Er wünscht sich nichts weiter als die Erlösung für sich und seine Tochter im Tode. Um den Kardinal zu treffen, teilt er ihm mit, dass er ein Geheimnis um dessen totgeglaubte Tochter kenne. Diese sei während des Überfalls in Rom nicht umgekommen, sondern noch immer am Leben. Da Éléazar behauptet, den Aufenthaltsort von Brognis Tochter zu kennen, bittet dieser inbrünstig den verurteilten Juden, ihm diesen zu nennen. Éléazar verweigert ihm die Antwort. Dieses Geheimnis mit ins Grab zu nehmen, soll seine Rache an Brogni werden.

Allein gelassen hadert Éléazar damit, seine Tochter in den Opfertod zu schicken. Er will sie retten und sich gegen seinen Glauben entscheiden. Als er jedoch hört, wie der wütende Mob die Ermordung der Juden besingt, schwinden angesichts der grausamen und judenverachtenden Parolen der Christen seine Zweifel und er wählt den Tod für sich und Rachel – und die Rache gegen Brogni.

Fünfter Akt

Kurz vor der Hinrichtung erfährt Éléazar, dass seine Tochter vor dem Gericht vorgab, ihre Anklage sei eine Lüge gewesen und somit Léopold entlastend das Leben rettete. Er fragt sie, ob sie dem jüdischen Glauben abschwören und als Christin weiterleben möchte. Rachel kann sich ein Dasein ohne ihren Vater und ohne ihren Glauben nicht vorstellen. Bereitwillig wählt sie das Martyrium. Noch einmal dringt Brogni ins Gewissen Éléazars ein, ihm den Aufenthaltsort seiner verschwundenen Tochter mitzuteilen. In dem Moment, da Rachel hingerichtet wird, zeigt Éléazar auf sie. Er selbst war es, der sie als Kind aus den Flammen gerettet und wie seine eigene Tochter aufgezogen hatte. Rachel ist in Wahrheit Brognis leibliches Kind. Der Kardinal bricht zusammen, während Éléazar über seinen Feind triumphiert.

 

Vorstellungsdauer: ca. 3 Std. 40, eine Pause

Veranstaltungsort: Bayerische Staatsoper – Nationaltheater

 

Quelle: https://www.staatsoper.de/