Theaterjugendring München

König Ödipus

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König Ödipus

von Sophokles aus dem Griechischen von Dietrich Ebener

 

Regie: Mateja Koležnik
Bühne: Raimund Orfeo Voigt
Kostüme: Alan Hranitelj
Musik: Mitja Vrhovnik-Smrekar
Licht: Gerrit Jurda
Choreographie: Matija Ferlin
Dramaturgie: Götz Leineweber

 

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Besetzung

Thomas Lettow: Ödipus, König von Theben
Sophie von Kessel: Iokaste, Schwester Kreons, Gattin des Ödipus
Bijan Zamani: Kreon, Schwager des Ödipus
Hans-Michael Rehberg: Teiresias, der blinde thebanische Seher
René Dumont: Chorführer
Wolfram Rupperti: Ein Bote aus Korinth
Alfred Kleinheinz: Ein alter Hirt
Thomas Gräßle: Ein Diener

 

Programmheft
Podcast

 

Der Krieg ist vorbei, in dem sich die zwei Brüder Eteokles und Polyneikes, Söhne des unglückseligen Ödipus und der Iokaste, gegenüberstanden. Sie hatten vereinbart, dass sie die Macht über Theben teilen wollten, aber nicht in der Sache, sondern in der Zeit. Abwechselnd wollten sie herrschen, doch als Polyneikes, der die Herrschaft seines Bruders im Ausland abgewartet hatte, zurückkehrte, um seinen Anspruch geltend zu machen, war Eteokles nicht mehr bereit, den Thron zu räumen. Polyneikes suchte sich Verbündete und belagerte die sieben Tore der Stadt. Um den Schaden möglichst gering zu halten, vereinbarten die Brüder ein Duell und starben beide im Zweikampf.

Der Thron fiel an Kreon, den Schwager des Ödipus. Aber seine Stellung ist unsicher, die Legitimation seiner Herrschaft schwach. Aus dem moralischen Patt, das der Tod der Brüder hinterlassen hat, möchte er daher eine verbindliche Lesart der patriotischen Verteidigung der Heimat gegen eine ungerechtfertigte Aggression formen. Denn Ordnung beruht auf verständlichen, von Zweideutigkeiten gereinigten Erzählungen, und nur wer die Geschichte beherrscht, darf sich seiner Macht sicher fühlen. Also huldigt Kreon dem „Landesverteidiger“ Eteokles und verweigert dem „Verräter“ Polyneikes ein Grab. Diese Art der politischen Geschichtsschreibung findet eine entschiedene Gegnerin in der Schwester der beiden Brüder: Antigone.

Auf die Frage, welcher der Kontrahenten das Recht für sich hatte – der vertragswidrig am Thron festhaltende Eteokles oder Polyneikes, der bereit war, die eigene Stadt mit Krieg zu überziehen, – gibt sie keine Antwort. Die Sache der Polis scheint sie nicht zu interessieren. Sie hält einzig am religiös verbrieften Recht auf ein Begräbnis fest und beerdigt den geächteten Bruder zweimal. Kreon bleibt nichts anderes übrig, als an der ihr angedrohten Todesstrafe festzuhalten. Um nicht direkt die Schuld am Tod der Nichte auf sich zu laden, verurteilt er sie dazu, lebendig begraben zu werden. Als daraufhin die Stimmung in der Stadt zu kippen droht und der Realpolitiker Kreon sich doch noch dazu entschließt, Antigone zu begnadigen, ist es zu spät.

Ein starrer, unauflöslicher Widerspruch herrscht zwischen altem Glauben, Familienwerten und der Liebe für den eigenen Bruder einerseits, und offizieller Politik und dem berechtigten Ziel des Machterhalts andererseits. Jedoch ist das Drama des Sophokles nicht zu denken ohne die Sehnsucht nach Ausgleich und Versöhnung, die in seiner Handlung selbst keinen Platz findet. Das Tragische stellt immer die Frage nach der Möglichkeit seiner Überwindung. „Wir sind von Antigone fasziniert, diesem immensen unmöglichen Begehren, das nicht leben konnte, das nur fähig war, ein System und eine Geschichte umzustürzen, zu paralysieren oder zu überschreiten, das Leben des Begriffs zu unterbrechen, ihm den Atem zu nehmen oder ihn, was auf dasselbe hinauskommt, von der Außenseite oder der Unterseite einer Gruft zu stützen.“ (Jacques Derrida)

 

Vorstellungsdauer: ca. 1 Std. 20, keine Pause

Veranstaltungsort: Residenztheater

Quelle: https://www.residenztheater.de/