Theaterjugendring München

Kant

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Kant

nach „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ von Immanuel Kant

 

Inszenierung: Nicolas Stemann
Video: Claudia Lehmann
Kostüme: Marysol del Castillo
Musik: Thomas Kürstner, Sebastian Vogel
Dramaturgie: Benjamin von Blomberg

 

 

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Besetzung

n.n.

Premiere im Januar 2018

 

 

 

 

 

„Es ist sehr schön, aus Liebe zu Menschen und teilnehmendem Wohlwollen ihnen Gutes zu tun, aber das ist noch nicht die echte moralische Maxime unseres Verhaltens. Pflicht und Schuldigkeit sind die Benennungen, die wir allein unserem Verhältnis zum moralischen Gesetze geben müssen.”
Das Projekt der Aufklärung und eines kosmopolitischen Weltbürgertums ist in Gefahr. Die gegenkulturellen Bewegungen der Anti-Liberalisten haben das „TAKE BACK CONTROL“ zu ihrem Schlachtruf erhoben. Sie predigen Abschottung, Mauerbau, Exklusion durch Festschreibungen und Schärfungen/Scharfmachen von Identitätsfragen. Ein/e Jede/r dieser Bewegten weiß wohl, was der kategorische Imperativ besagt. Die individuelle Freiheit aber in einer Praxis der allgemeinen Vernunft zu gründen, aufgrund derer moralische Entscheidungen dann getroffen würden, ist ihnen kühl theoretische, lebensferne Maxime. Von betörender Anziehungskraft ist alles, was irrational ist: fake news, Verschwörung und Kampagne statt Aufklärung und differenziertes Wissen. Wirklich frei zu sein, heißt unmündig sein.
ES IST WIEDER AN DER ZEIT, KANT ZU LESEN und sich diesem unbestechlichen Denker der Vernunft und der Moral zuzuwenden. Findet sich bei einer Re-Lektüre dieses großen Philosophen der Aufklärung aber tatsächlich eine Grundlage für moralisches Handeln, die auch in unserer Zeit Bestand hat? Was genau ist das Wesen von Kants Denken und seiner Moral? Wie menschenfreundlich ist die Kantsche Pflicht-Ethik – und was für Blüten treibt sie in der praktischen Anwendung? Es ist allgemein bekannt, dass Kants Welt sich ein Leben lang auf den überschaubaren Radius der kleinen Stadt Königsberg erstreckte. Keine Reiseeindrücke forderten seine Welterklärungen heraus, die Nachrichten jenseits Könisgberger Grenzen waren weit weg, viel weiter als einen „Klick“ entfernt. Auch kein/e LiebhaberIn kam ihm nah und konnte ihn spiegeln. Was hat es mit der FORDERUNG NACH RADIKALER MÜNDIGKEIT auf sich, wenn diese für Kant selbst darin zu bestehen schien, sich radikal zurück- und auf sich zu (be-)ziehen? Gerade ihm, der in der Theorie die Identität nicht an Räume koppelte und die Moral zwischen den Menschen und in der Vernunft gründete, musste in der Praxis jedes Gesicht, das nicht dem seinen ähnelte, fremd und nicht integrierbar erscheinen.
Dennoch: Wir kommen um Kant nicht herum – um den kategorischen Imperativ genauso wenig wie um die Forderung nach Universalismus oder unbedingter Achtung der Würde des Menschen. Auch wenn Kant selbst dieser Forderung nicht nachgekommen ist.
Nach Shakespeares „Kaufmann von Venedig“, der Uraufführung von Elfriede Jelineks „Wut“ und der post-performativen Inszenierung von Tschechows „Kirschgarten“ tritt Hausregisseur Nicolas Stemann nun erstmals an, einen philosophischen Text zur Grundlage eines Theaterprojekts zu machen.

 

Vorstellungsdauer:

 

Veranstaltungsort: Münchner Kammerspiele, Kammer 1

 

Quelle: https://www.muenchner-kammerspiele.de/