Theaterjugendring München

Junk

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Junk

Das goldene Zeitalter der Schulden
von Ayad Akhtar


Regie: Tina Lanik
Bühne + Kostüme: Stefan Hageneier

 

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Besetzung

Premiere 22. April 2018

n.n.

 

 

 

 

 

Das neue Stück des „Geächtet“-Autors Ayad Akhtar spielt in den Goldenen 1980er Jahren der freak economy, also zu dem Zeitpunkt, als das Geld seine letzten Bindungen an die Realität verlor – und religiös wurde. Dementsprechend bezeichnet der Autor seinen rasant erzählten Wirtschaftskrimi als „rituelle Aufführung eines Ursprungsmythos“. 

Robert Merkin ist der charismatische Anführer einer kleinen Gang von Aktienhändlern, die nach einer für ihre Zeit völlig neuen Methode operieren. Sie haben sich auf die feindliche Übernahme von sogenannten „Gefallenen Engeln“ spezialisiert, einst profitablen Unternehmen, die in Schwierigkeiten geraten sind und sich Geld nur noch beschaffen können, wenn sie auf ihre als „Junk“, also „Schrott“ bewertete Anleihen sehr hohe Zinsen anbieten. Merkin hat es auf die feindliche Übernahme von Everson Steel abgesehen, eines Konzerns, der unrentabel arbeitet, dessen Zerschlagung aber satte Gewinne verspricht. Merkin sammelt dafür bei Investoren Geld zu hohen Zinsen ein, die er aus dem Vermögen des übernommenen Konzerns zu tilgen gedenkt. Er bezahlt den Kauf von Everson Steel also gewissermaßen mit den Schulden des Unternehmens. Dagegen versucht sich der Besitzer Tom Everson zur Wehr zu setzen, der das Erbe seines Vaters und die Arbeitsplätze erhalten möchte, aber in dem absurd anmutenden Bieterwettbewerb schließlich nicht mehr mithalten kann. Derweil ist die Staatsanwaltschaft wegen verbotener Insidergeschäfte hinter Merkin her. Noch im Gefängnis kommt der „King of Junk Bonds“ im Gespräch mit seinem Wärter auf eine neue Idee: Subprime-Kredite für kleine Angestellte zur Erfüllung des Traums vom Eigenheim – die nächste Krise kann ihren Lauf nehmen. 

Robert Merkin ist dem Erfinder der Junk Bonds, Michael Robert Milken, nachempfunden, der Ende der Achtzigerjahre des letzten Jahrhunderts vom aufstrebenden Staatsanwalt und späteren New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani überführt wurde und nach kaum zwei Jahren die Haft als schwerreicher Mann wieder verließ. Nach David Graeber kann der Kapitalismus „nicht richtig funktionieren, wenn die Menschen glauben, er werde ewig Bestand haben“. Dass nach Jahrhunderten der Hoffnung auf das Reich Gottes oder den Sozialismus der Kapitalismus heute ohne Alternative dasteht, selber religiös und sein eigenes Heilsversprechen geworden ist, wäre dann seine größte Bedrohung.

 

Vorstellungsdauer: n.n.

 

Veranstaltungsort: Residenztheater

 

Quelle: https://www.residenztheater.de/