Insgeheim Lohengrin

Print Friendly, PDF & Email

Insgeheim Lohengrin

von Alvis Hermanis und anderen

 

Regie + Bühne: Alvis Hermanis
Musik: Rudolf Gregor Knabl

 

Wie hat Ihnen / Dir die Theatervorstellung "Insgeheim Lohengrin" gefallen?

Ergebnis ansehen

Loading ... Loading ...

Besetzung

Wolfram Rupperti: Eskil
Charlotte Schwab: Helga
Ulrike Willenbacher: Kathi
Paul Wolff-Plottegg: Otto
Manfred Zapatka: Heiner
Enrico Pollato: Geist

 

Programmheft

 

Ein kleiner Zirkel aktiver Lohengrinliebhaber trifft sich regelmäßig in einer konspirativen Wohnung. Insgeheim, weil die Hingabe an das romantische Pathos heute generell als verdächtig gilt. Der Nachbar darf davon nichts wissen. Innig tauschen sie sich aus, fühlen den Geheimnissen des Schwanenritters nach, lauschen immer wieder den Aufnahmen, die sie im Laufe ihrer Liebhaberschaft angesammelt haben, blättern in den Zeugnissen und Spuren, die Wagners Musik im Leben hinterlässt, und hüten sie wie einen Schatz.

Eines Tages taucht ein Fremder in ihrem inneren Zirkel auf und sie versuchen, ihm ihre Leidenschaft begreifbar zu machen. Es ist nicht immer leicht, davon zu sprechen: “Eigentlich hasse ich die Musik Richard Wagners, doch leuchten immer wieder Momente von ewiger Schönheit und äußerster Sensibilität darin auf, die mich zutiefst berühren“, so oder so ähnlich zwiespältig äußern sich neben Claude Debussy ganze Komponistengenerationen, die sich von dem gewaltigen Erbe abzustoßen versuchen.

Thomas Mann verpasste keine Vorstellung im Münchner Hoftheater und wurde doch in der selbst ernannten Richard-Wagner-Stadt 1933 umso böser angefeindet, als Leupold, Pfitzner, Strauss et al. öffentlich protestierten, dass Manns Essay “Leiden und Größe Richard Wagners“ nun so gar nicht im Sinne der Reichsmusikkammer sei und Wagner kein “Hanswurst, Lichtgott und anarchistischer Sozialrevolutionär auf einmal – das Theater kann nicht mehr verlangen“, wie Mann schrieb. Schon 22 Jahre zuvor bekennt dieser sich zu Wagner: “Meine Liebe zu ihm war eine Liebe ohne den Glauben – denn stets schien es mir als pedantisch, nicht lieben zu können, ohne zu glauben. Es war ein Verhältnis, – skeptisch, pessimistisch, hellseherisch, fast gehässig, dabei durchaus leidenschaftlich und von unbeschreiblichem Lebensreiz. Wunderbare Stunden tiefen, einsamen Glückes inmitten der Theatermenge, Stunden voller Schauer und kurzer Seligkeiten, voll von Wonnen der Nerven und des Intellekts, von Einblicken in rührende und große Bedeutsamkeiten, wie nur diese nicht zu überbietende Kunst sie gewährt.“ Auch das ein Zeugnis vom romantischen Virus, den Wagner seinen Nachgeborenen einimpfte, bevor er selber schließlich an krankhaft vergrößertem Herzen stirbt.

Diesen Virus injizieren sich die Mitglieder des Zirkels ganz ungeniert, aber eben insgeheim. Im Gegensatz zu Hans Christian Andersen, der im “Märchen meines Lebens“ die erste Begegnung mit Lohengrin beschreibt “als ein großes Meer aus Tönen, das über mich hinwegrollte, mich geistig und körperlich betäubte! Als spätabends nach der Vorstellung des Lohengrin Liszt zu mir in die Loge kam, selbst noch Feuer und Flamme, war ich müde und betäubt. ‚Was sagen Sie jetzt?‘ fragte er, und ich antwortete: ‚Ich bin halb tot!‘“

 

Vorstellungsdauer: ca. 2 Std. 40, eine Pause

Veranstaltungsort: Cuvilliestheater

Quelle: https://www.residenztheater.de/