Theaterjugendring München

In einem Jahr mit 13 Monden

Print Friendly, PDF & Email

In einem Jahr mit 13 Monden

Drehbuch von Rainer Werner Fassbinder

 

Regie: Cilli Drexel
Bühne: Christina Mrosek
Kostüme: Janine Werthmann

 

Wie hat Ihnen / Dir die Theatervorstellung "In einem Jahr mit 13 Monden" gefallen?

Ergebnis ansehen

Loading ... Loading ...

Besetzung

Thomas Loibl: Elvira Weishaupt
Philip Dechamps: Christoph / Selbstmörder
Mathilde Bundschuh: Die rote Zora / Marie-Anne
Nora Buzalka: Irene / Smolik
Marcel Heuperman: Seelen-Frieda / Arbeitsloser
Götz Schulte: Schwester Gudrun / Anton Saitz

 

 

 

„Ich kam gerade aus Casablanca zurück,“ sagt Elvira, „da trieb mich einer ins Nichts, der nichts zu tun brauchte, als ein Lächeln einmal zuviel gelächelt zu haben. Aus Zufall, und das ist die Wahrheit, mag sie auch immer klingen wie Lüge, wurde mein Leben gerettet, wurde mein Ich gezwungen mich ertragen zu lernen im ganz und gar Unerträglichen.“ Elvira hieß früher einmal Erwin. Erwin Weishaupt. Das war vor Casablanca. Damals hat Erwin vielleicht ein ganz normales Leben geführt, zumindest versucht hat er es, als Kind bei den Nonnen im Waisenhaus oder später mit Irene, die er in der Metzgerlehre kennengelernt hat, und der gemeinsamen Tochter. Doch dann hat er sich in Anton verliebt, und für ihn ist Erwin nach Casablanca gereist.

In einem neuen Körper, der genauso wenig wie der alte passt und bei Anton nur Gelächter hervorruft, steuert Elvira seit ihrer Rückkehr auf den Absturz zu. Den Job verliert sie und den Mann, den sie nie hatte, die Beziehung zu ihrer Familie ist beinahe ruiniert, und Elvira mehr denn je allein. Jetzt kann sie ihren eigenen Anblick nicht mehr ertragen, versucht, mit Alkohol und Tabletten gegen die Scham und die Angst vor ihrer „eigenen zerstörten Fresse“ anzukommen und die Einsamkeit bei Männern loszuwerden, die nicht einmal gegen Geld bereit sind, sich mit ihr einzulassen. Elvira möchte geliebt werden, möchte gefallen, mehr als alles andere und um jeden Preis. Denn in der ökonomisierten Gesellschaft gibt es nichts umsonst, und so ist sie sogar bereit, um der scheinbaren Begehrlichkeiten ihrer großen Liebe willen eine neue Sexualität zu konstruieren. Bis sie selbst nicht mehr genau weiß, wer sie eigentlich ist, geschweige denn wer sie sein möchte, und an ihrer schmerzhaften Sehnsucht und der ungelösten Identität zugrunde geht. „Was ist das, glücklich? Natürlich bin ich nicht glücklich, weil das gibt´s ja nicht, das Glück, das ist doch – auf der Suche danach – der Vorgang, was spannend ist.“ Doch in diesem Vorgang wird Erwin genauso wie Elvira wie Dreck behandelt, immer wieder, vor Casablanca und danach, weil er und sie anders ist, sensibel, weil ihm und ihr die Kraft fehlt, sich zu wehren.

Rainer Werner Fassbinders Film von 1978 gilt als einer seiner persönlichsten, da er als Auseinandersetzung mit dem Selbstmord seines damaligen Lebensgefährten Armin Meier wahrgenommen wird. „In einem Jahr mit 13 Monden“ begleitet Elvira auf ihren letzten fünf Tagen, in denen sie an den entscheidenden Orten ihres Lebens die Vergangenheit rekapituliert. Bis sie schließlich, nachdem Anton sie erneut zurückgewiesen hat und der Versuch, in die frühere Bürgerlichkeit zurückzukehren, gescheitert ist, „an gebrochenem Herzen“ (Fassbinder) stirbt.

 

Vorstellungsdauer: ca. 1 Std. 15, keine Pause

Veranstaltungsort: Marstall

Quelle: https://www.residenztheater.de/