Theaterjugendring München

Für immer schön

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Für immer schön

von Noah Haidle
Deutsch von Barbara Christ

 

 

 

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Besetzung

Premiere: 17.11.2017

 

 

 

 

 

 

„It’s showtime!“ – Hier kommt Cookie, die Königin der Straße, die Dienerin der Schönheit, die heilige Kriegerin mit der Nagelfeile in der Hand. Ihre Mission: den Menschen erinnern, dass er Gottes Meisterwerk ist. Ihre Waffe: das neueste Beauty- Sortiment. Ihr Feind: die unerbittlich vergehende Zeit.

Cookie ist eine nicht mehr junge Kosmetikvertreterin on the American Way of Life, die von Tür zu Tür zieht, sich straßauf, straßab die Füße blutig läuft, ihre Waren feilbietet, die niemand mehr kaufen will, und dennoch unbeirrt an den wirtschaftlichen Erfolg glaubt wie an die Auferstehung Christi. Stillstand ist der Tod, wie schon ihre Mutter wusste: „Kämpfen, Cookie. Atmen. Lächeln.“ Sie trifft auf ihrem Weg eine junge Rivalin, die ihr längst den Rang abgelaufen hat, und eine alte Freundin, deren Mann soeben gestorben ist, Cookies Namen selig auf den Lippen. Cookie hat Sex mit einem Fremden und bekommt ein Kind, das sie später vor dessen Tür legen wird, als er längst mit ihrer Rivalin zusammen ist. Dieses Kind, mittlerweile ein Teenager, wird zu ihr zurückkehren, eine neue Schülerin im vergeblichen Straßenkampf um ein bisschen Umsatz. Doch mit ihr erlischt das Erbe weiblicher Vertreterschaft. Cookie wird die Leiche ihres Kindes mit sich herumschleppen, alt, blind und arm sein, täglich fortgejagt werden, nirgendwo ankommen. Doch nie verlässt sie der unbeirrte, starrsinnige Glaube an die Ordnung der Welt, nie gibt sie das eingebläute Mantra der eigenen Zurichtung auf: „Kämpfen, Cookie. Atmen. Lächeln.“

Sie gleicht einem Zombie, diese amerikanische Mutter Courage, ihre Devotionalien sind die nie leere Flasche Martini, ihr Parfüm „Daffodil Days“, das denselben Namen trägt wie der amerikanische Krebshilfetag, und Schuhe, die schon immer zu eng waren wie Aschenputtels Schuh den Stiefschwestern. Hinter Cookies Gesicht verbirgt sich die stoische Grimasse des Neoliberalismus, der bei aller oberflächlichen Variation nur dasselbe öde Muster kennt: kaufen und verkaufen. Fressen oder gefressen werden. Gepflastert mit biblischen Motiven und Floskeln des Marktes gleichermaßen, erweist sich Cookies Weg als groteske Via Dolorosa ohne Anfang und Ziel, eine kreisförmige Selbstoptimierungsreise durch die Verdammnis der Vorgärten und Haustüren, denn „das Paradies ist verriegelt und der Cherub hinter uns; wir müssen die Reise um die Welt machen, und sehen, ob es vielleicht von hinten irgendwo wieder offen ist“ (Heinrich von Kleist).

Noah Haidle wird von der Kritik als Verwandter Becketts und Tschechows gefeiert, Hollywood verfilmte ein Gangster-Drehbuch von ihm mit Al Pacino. Katrin Plötner war bis 2013 Regieassistentin am Residenztheater, machte mit formbewussten, verdichteten Inszenierungen u. a. in Frankfurt, Karlsruhe und Augsburg auf sich aufmerksam und kehrt mit „Für immer schön“ nach München zurück.

 

Vorstellungsdauer: n. n.

 

Vorstellungsort: Marstall


 

Quelle: https://www.residenztheater.de/