Theaterjugendring München

Der Balkon

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Der Balkon

Jean Genet
Deutsch von Peter Krumme

 

 

Regie: Ivica Buljan
Bühne: Aleksandar Denić
Kostüme: Ana Savić Gecan

 

 

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Besetzung

Premiere: 22.02.2018

 

 

 

 

 

 

 

In Madame Irmas Etablissement „Großer Balkon“ erkauft sich der Besucher nicht nur Sex, sondern auch die Möglichkeit, in neue Identitäten zu schlüpfen, in das Kostüm und die Rolle eines Bischofs, Richters oder Generals. Jeder kann gegen Bezahlung ein anderer sein, für eine Nacht wird der Schein zum Sein. Draußen auf den Straßen der Stadt tobt der Kampf um die Macht im Staat und Madame Irma sieht ihr Geschäft im „Haus der Illusionen“ in Gefahr. Der Polizeipräsident, Anführer des Kampfes gegen die Revolte und Schutzpatron des Bordells, flüchtet vor den Kämpfen zu seiner ehemaligen Geliebten Irma und beruhigt sie. Die Revolution sei auch nur ein Spiel und jeder Revolutionär ein begeisterter Spieler. Die Stadt steht in Flammen, das Schloss wird gestürmt, und die Königin ist verschwunden. Die Aufständischen machen Chantal, eine ehemalige Hure aus Irmas Bordell, zu ihrer Ikone. Sie soll als ihre „Jeanne d´Arc“ auf den Barrikaden singen. Der Polizeipräsident bedient sich eines Tricks, um den Aufstand niederzuschlagen. Er lässt die Freier in ihren Verkleidungen als Bischof, Richter und General und die Puffmutter Irma als Königin auf den Balkon des Hauses treten. Sie verkünden das Ende der Revolution – und der Coup gelingt: Die Revolution bricht zusammen. Das Spiel ist zu Ende. 

Das Bordell als Welt und die Welt als Bordell. Der Schein bestimmt das Bewusstsein. Die Macht ist nackt, auch wenn sie in prächtigen Verkleidungen daherkommt. Die Kraft der Behauptung. Die Macht der Bilder. Die Sehnsucht, sich verführen zu lassen, von denen da oben auf dem Balkon. Gern laufen wir ihnen nach, wenn sie nur sagen, was wir hören wollen. Seien sie echt oder falsch, Würdenträger oder Narr. Mitreißend müssen sie sein.

Jean Genet (1910-1986) war Dieb, Zuhälter und Fremdenlegionär, bevor er mit dem Schreiben begann. Zu lebenslanger Haft verurteilt, später begnadigt, war er für den Philosophen Jean-Paul Sartre „Saint Genet“, der Heilige der Hölle, der Prototyp des antibürgerlichen Existentialisten. Mit seinem Stück „Der Balkon“ von 1956 wurde der Verächter aller Konvention zum Klassiker wider Willen. Der kroatische Regisseur Ivica Buljan, der bereits Pasolinis „Der Schweinestall“ im Marstall herausbrachte, wird das Stück inszenieren. 

 

Vorstellungsdauer: n. n.

 

Veranstaltungsort: Marstall

Quelle: https://www.residenztheater.de/