Theaterjugendring München

Erschlagt die Armen!

Print Friendly

Erschlagt die Armen!

von Shumona Sinha
Deutsch von Lena Müller

 

 

 Regie + Bühne: Zino Wey

 

 

Wie hat Ihnen / Dir die Vorstellung "Erschlagt die Armen!" gefallen?

Ergebnis ansehen

Loading ... Loading ...

Besetzung

Premiere: 02.03.2018

 

 

 

 

 

 

 

In einem Pariser Gefängnis sitzt eine junge Frau in Untersuchungshaft: In der Nacht hat sie in der Métro einem Migranten, der sie zuvor beleidigt hatte, eine Weinflasche über den Kopf gehauen. Nun wird sie vernommen und versucht, sich selbst zu erklären, wie es dazu gekommen ist. Einige Jahre zuvor war sie als Einwanderin nach Paris gekommen, wo sie inzwischen als Dolmetscherin in einer Asylbehörde tätig ist. „Assommons les pauvres!“ – „Erschlagt die Armen!“ nannte Charles Baudelaire 1865 ein Prosagedicht, in dem ein Mann einem Bettler auf den Kopf schlägt. Titel und Geste hat die Schriftstellerin Shumona Sinha für ihren Roman übernommen, in dem sie die Kehrseite des Asylsystems mit wütendem Blick seziert. Was treibt eine Frau, die in der Asylbehörde als Dolmetscherin zwischen Asylbewerbern und Beamten vermittelt, zu einer solchen Tat? Täglich übersetzt sie das Jammern und die Lügen der Asylbewerber, deren offensichtliches Elend der Behörde nicht reicht – und ist angewidert vom System, dessen Teil sie geworden ist. Denn in ihrer Arbeit hat sie die Seiten gewechselt. Sie ist mehr und mehr eine Beamtin geworden, die in jeder der Geschichten eine Lüge sucht, ausgedacht, um die Hürde der Asylbewilligung zu überwinden. Tagtäglich wiederholen sich dabei für sie in den Geschichten der Asylbewerber genau das Elend der Heimat und die Übermacht der Männer, vor denen sie geflohen ist. 

„Dass eine weiße Frau sie befragt, nehmen die Männer noch hin, aber eine dunkelhäutige Frau, die aus der gleichen Region stammt, das ist für sie zu viel. Da ich aus Indien komme, Frau bin und mich strikt an die Arbeitsregeln halte, bestand von vornherein eine große Spannung. Ich habe viel Wut abbekommen und es hat mich sehr traurig gemacht.“ Sie selbst wird immer mehr zu einer Fremden in den Augen der Beamten, aber auch für ihre ehemaligen Landsleute. Denn sie ist eine, die es geschafft hat. Schließlich gibt es für sie in der menschenverachtenden Enge ihrer Welt keine andere Reaktion als den Angriff. Das Geflecht von Lüge und Repression wird für die Protagonisten immer absurder, „wie in einem Volkstheaterstück“. So beschreibt die 1973 in Kalkutta geborene Autorin die groteske Handlung in ihrem zornigen Roman. Shumona Sinha war selbst als Dolmetscherin für Asylsuchende tätig. Nach der Veröffentlichung von „Erschlagt die Armen!“ 2011 verlor sie ihre Arbeit bei der französischen Migrationsbehörde. 

Zino Wey, 1988 in der Schweiz geboren, inszeniert nach Regiearbeiten in Mannheim, Basel, an den Münchner Kammerspielen und am Schauspielhaus Zürich den mit dem Internationalen Literaturpreis ausgezeichneten, brisanten Gegenwartstext.

 

Vorstellungsdauer: n. n.

 

Veranstaltungsort: Marstall

 

Quelle: https://www.residenztheater.de/