Theaterjugendring München

Ein Volksfeind

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Ein Volksfeind

von Henrik Ibsen

 

Regie: Mateja Koležnik
Bühne: Raimund Orfeo Voigt

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Premiere 24. Februar 2018
n.n.

 

 

 

 

 

 

 

Badearzt Thomas Stockmann hat das Verdienst, dass er seine Heimatstadt zu einem Kurort und damit reich und berühmt gemacht hat. Auf Grund neuerer Untersuchungen entdeckt er jedoch, dass seine Kurgäste durch das Wasser des Bades gefährdet sind. Krankheitserregende Mikroorganismen belasten das Ökosystem und das Gewissen des Arztes. Stockmann will im Interesse der Allgemeinheit seine Testergebnisse an die Öffentlichkeit bringen und findet zunächst Unterstützung bei Vertretern der Presse und der Mehrheit des Bürgertums. Sein Bruder jedoch will ihn davon abhalten. Als Bürgermeister der Stadt und Mitglied des Aufsichtsrats des Kurbades weiß er um die möglichen Folgen einer solchen Veröffentlichung. Der Ruf der Stadt und des Kurbades wäre für immer geschädigt. Auch sind die von Stockmann vorgeschlagenen nötigen Umbauten nicht zu finanzieren. Die Stadt wäre bankrott. Die Presse und die Mehrheit der Bürger ziehen ihre Unterstützung für Thomas Stockmann zurück. Der riskiert seine Stellung als Badearzt und die Zukunft seiner Familie. Mit seiner Frau Gina, seiner Tochter Petra und seinen beiden Söhnen findet er Schutz im Haus eines Kapitäns und beruft dort eine Bürgerversammlung ein. In seiner Rede zieht er gegen die „Vergiftung des geistigen Lebens“ und die „grenzenlose Dummheit der kompakten Majorität“ zu Felde. Thomas Stockmann wird zum Wutbürger, der in seiner Verlorenheit Presse, Politiker und das Volk beschimpft. Doch der eigentliche Skandal beginnt, als sein Schwiegervater ihn mit den vom gesamten Familienerbe erstandenen Badeaktien erpresst. Wurde hier nur zum eigenen Vorteil mit Aktien spekuliert? Ist dieser überengagierte Badearzt eigentlich nur an persönlichem Gewinn interessiert und der Einzelne am Ende wirklich am stärksten allein?

Henrik Ibsen lässt seinen bürgerlichen Helden im Wechselbad der postdemokratischen Verhältnisse untergehen. In seinem 1883 uraufgeführten, grotesken Gesellschaftsdrama befragt Ibsen ebenso die Verantwortung der Presse als „vierter“ Gewalt wie das auf Charisma und Autorität beruhende System von Spezialisten und Koryphäen, die als Volksfreund bejubelt nicht selten als Volksfeind untergehen. Die Mehrheit dagegen sind, wie Ibsens Redakteure des „Volksboten“, Hovstad und Billing, unkritische, oftmals überforderte Mitläufer mit wenig gesamtgesellschaftlichem Interesse und Engagement. Regisseurin Mateja Koležnik inszeniert nach „Madame Bovary“, „König Ödipus“ und „Tartuffe“ Ibsens Drama über den schmalen Grat von Aufklärung und Fanatismus als kritisches Zeitstück über die Macht und Ohnmacht des Einzelnen.

Vorstellungsdauer: n.n.

 

Veranstaltungsort: Residenztheater

 

Quelle: https://www.residenztheater.de/