Don Karlos

Don Karlos

von Friedrich Schiller

 

Regie: Martin Kušej
Bühne: Annette Murschetz
Kostüme: Heide Kastler
Musik: Bert Wrede
Licht: Tobias Löffler
Dramaturgie: Götz Leineweber

 

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Besetzung

Thomas Loibl: Philipp II
Lilith Häßle: Elisabeth von Valois
Nils Strunk: Don Karlos
Max Koch: Parma
Tim Werths: Olivarez
Anna Graenzer: Mondekar
Meike Droste: Eboli
Franz Pätzold: Marquis von Posa
Thomas Gräßle: Lerma
Marcel Heuperman: Alba
Thomas Lettow: Domingo
Wolfram Rupperti: Feria
Christian Erdt: Medina Sidonia
Manfred Zapatka: Der Großinquisitor

 

Auszug aus dem Programmheft

 

Spanien im 16. Jahrhundert. Die Inquisition wütet seit bald hundert Jahren. Eine Weltmacht beherrscht von brutalem Katholizismus. Zwar regiert König Philipp II. mit harter Hand dieses Reich, in dem die Sonne niemals untergeht, doch seinen Sohn, Don Karlos, hat er nicht im Griff. Der Prinz hadert und konstatiert, dass “ich an diesem Hofe schon verraten bin, dass hundert Augen schon gedungen sind mich zu bewachen.” Der Vater enthält ihm jegliche Liebe vor, heiratet zusätzlich die seinem Sohn nahestehende Elisabeth von Valois und macht sie – um des Friedens willen – zur Königin ganz Spaniens. Und zur Stiefmutter seines Sohnes. Nach einer heimlichen Begegnung zwischen Karlos und ihr, die das junge Begehren vor den Kopf stößt, beschließt der Heißsporn, dem “der Kummer seit 8 Monden schon im Auge steht”, das Land zu verlassen. Er bittet den Vater, ihn als Statthalter ins protestantische Flandern zu schicken, um dort einen der vielen Glaubenskriege zu befrieden. Dabei besinnt er sich auf seinen zurückgekehrten Freund, den Marquis von Posa, der in ihn dringt, dort zu herrschen und für die Freiheit zu kämpfen. Karlos beginnt seine zurückgewiesene Liebe zu sublimieren in einen politischen Kampf für eine Region, von der er weiß, dass sie auch Elisabeth am Herzen liegt. Abermals verwehrt ihm der König die Macht und beauftragt den harten Herzog von Alba und nicht den weichen Sohn. In einem Moment größter Verzweiflung erhält Karlos einen Brief, den er fälschlich der Königin zuschreibt und in dem ihn in Wirklichkeit die Prinzessin Eboli um ein geheimes Treffen bittet. Verdutzt trifft er auf die wirkliche Verfasserin und diese gesteht ihm ihre Liebe. Allerdings erfährt Don Karlos von ihr noch ein weiteres Geheimnis über den Vater, das Ursprung einer Serie von Intrigen ist, die Friedrich Schiller in “Don Karlos” spinnt und bis zum Ende des fünften Aktes auserzählt. Dazu gehören – neben den Liebesverwirrungen – die Pläne und Strategien der Karrieristen der Macht, Herzog von Alba und Pater Domingo, die die Ablösung des Königs steuern wollen und auf dessen Sohn nicht zählen können. Eine destruktive Mischung, in der ausgerechnet der Marquis von Posa eine zentrale Rolle spielt. Dessen Glaube an Freundschaft, seine freigeistige Aufrichtigkeit mit dem, was er für Wahrheit hält, bringt anfänglich noch Bewegung in die verkrusteten Machtverhältnisse, erweist sich später jedoch bald als verräterisch. Jedem Vernunftideal wohnt ein Gewaltmoment inne. 

Friedrich Schiller schrieb mit Unterbrechungen diesen Vater-Sohn-Konflikt mit weltgeschichtlicher Auswirkung von 1783 bis 1787. Uraufgeführt in Hamburg am 29. August 1787, zwei Jahre vor der großen Revolution, wechselte er dabei mehrfach die ästhetische Gestalt, vom bürgerlichen Trauerspiel zum Ideendrama. Gerade in der Figur des Posa rechnet Schiller mit der Aufklärung ab und zeigt, wie brüchig der Idealismus schon immer gewesen ist, wie gefährlich gerade hehre Ziele sind. Die folgenden Jahre werden seine Haltung nur bestärken. “Don Karlos” nimmt in seinem Werk eine Scharnierstellung ein: zwischen Sturm und Drang und der Weimarer Klassik. Es ist auch Nachricht aus einer Zeit, die noch nicht so einen schmalen Begriff von Politik hatte, dass sie ihr die Liebe nicht zurechnete.

Vorstellungsdauer: ca. 4 Std., eine Pause

 

Veranstaltungsort: Residenztheater

 

Quelle: https://www.residenztheater.de/

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