Theaterjugendring München

Mauser

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Mauser

von Heiner Müller

 

Regie + Bühne + Musik: Oliver Frljić
Kostüme: Sandra Dekanić
Licht: Gerrit Jurda
Dramaturgie: Marija Karaklajić + Sebastian Huber

 

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Besetzung

Franz Pätzold
Alfred Kleinheinz
Marcel Heuperman
Nora Buzalka
Christian Erdt

 

Programmheft

 

 

Auch in seiner zweiten Arbeit am Residenztheater nimmt Frljić die deutsche Identität aufs Korn, indem er sich von Heiner Müllers Über-Revolutionär „A“ aus dem Lehrstück „Mauser“ (1970) abstößt, dem die Daumenschrauben der Revolution noch fester angezogen werden als seinem Vorgänger, dem jungen Genossen aus Bertolt Brechts „Maßnahme“. „A“ internalisiert die Lektion, dass das tägliche Brot der Revolution der Tod der Feinde ist, „wissend, das Gras noch / Müssen wir ausreißen, damit es grün bleibt“, und spricht das Kommando über seinen eigenen Tod, weil ihm der Tod der Feinde nichts mehr ausmacht. Alle sind sie Ausgelöschte, stecken knietief in den Verstrickungen, die blutige Revolutionen in den Individuen auslösen und wechseln aalglatt zwischen Täter und Opfer hin und her. Das ist zentral in Frljićs Theaterarbeit. Er stößt sich ab von diesem Text, wie auch Heiner Müller bereits 1977 in einem Brief: „Ich denke, dass wir uns vom Lehrstück bis zum nächsten Erdbeben verabschieden müssen. Was bleibt: einsame Texte, die auf Geschichte warten. Und das löchrige Gedächtnis, die brüchige Weisheit der Massen, vom Vergessen gleich bedroht.“

Aus seinen Erfahrungen schält Frljić Handlungsanweisungen für uns heraus, indem er sie neu beleuchtet, unter anderem mit dem theoretischen Handwerk des Ehepaars Mitscherlich im Kopf, das in den 1960ern mit dem großen Schweigen der Nachkriegszeit brach. Idealerweise sind das Handlungsanweisungen für einen positiven Widerstand, denn es gibt heute neue, nicht-blutige Revolutionen, vielleicht nur im Kleinen, die, wie Srda Popović schreibt, „wie gute Musik in die Beine gehen und Sie von den Stühlen reißen. Und die sollen Ihnen zeigen, dass die Anzugträger, Schläger und Brutalos – dieser ganze Kader von Finsterlingen, die sonst den Laden schmeißen – nicht so unbesiegbar sind, wie sie aussehen, und dass oft schon ein guter Spaß ausreicht, um sie in die Flucht zu schlagen.“ Dabei macht man sich höchstens mit Spraydosen die Hände schmutzig.

 

Vorstellungsdauer: ca. 1 Std. 30, keine Pause

Veranstaltungsort: Marstall



Quelle: https://www.residenztheater.de/