Die schmutzigen Hände

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Die schmutzigen Hände

Schauspiel von Friedrich Schiller

 

 

Regie: Martin Kušej
Bühne und Kostüme: Stefan Hageneier
Musik: Bert Wrede
Licht: Tobias Löffler
Dramaturgie: Angela Obst

 

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Besetzung

Premiere am 24.09.2016

Norman Hacker: Hoederer
Christian Erdt: Hugo
Lisa Wagner: Jessica
Anna Graenzer: Olga
Manfred Zapatka: Karsky
Thomas Gräßle: Prinz Paul
Michele Cuciuffo: Louis
Arthur Klemt: Georges
Philip Dechamps: Slick

 

Programmheft

 

“Wieder einmal die Konfrontation der Moral mit der Praxis“, notierte Simone de Beauvoir über das Stück “Die schmutzigen Hände“ ihres Lebens- und Denkpartners, des Autors und Philosophen Jean-Paul Sartre. Der trieb in seinem 1948 uraufgeführten Stück anhand eines Mordauftrags die Frage nach den Prinzipien (nicht nur) politischen Handelns in eine blutige Dialektik.

Hugo, ein junger Intellektueller, versucht seiner bourgeoisen Herkunft zu entkommen, ist der kommunistischen Partei beigetreten und wartet auf große Aufgaben. Wir befinden uns in Illyrien, einem fast fiktiven Staat, der an der Seite des faschistischen Deutschland im Krieg gegen die kommunistische Sowjetunion steht. Im Untergrund arbeitet Hugos Partei mit partisanischen Mitteln gegen die Regierung und ist dabei zwischen dogmatischer Ideenliebe und beweglicher Realpolitik intern völlig zerstritten.

Als die Niederlage der Faschisten absehbar wird, wittert der charismatische Pragmatiker Hoederer die Chance, einen Kompromiss mit den politischen Gegenspielern zu schließen, um der Partei nach Kriegsende an die Macht zu verhelfen. Hugo wird vom gegnerischen Parteifl ügel als Sekretär bei Hoederer eingeschleust, um ihn zu töten – und bringt neben einer Waffe auch Jessica, seine Ehefrau, mit. Auf dem schmalen Grat zwischen Ernst und Spiel, Zuneigung und Abgrenzung beginnt ein Kampf der beiden ungleichen Männer um die richtige Tat, und Jessica wird zum entscheidend zufälligen Spielfaktor im friendly fire.

Die Rahmenhandlung, die Sartre dem Kernplot beigefügt hat, macht nicht nur aus dem Thriller ein analytisches Drama, das dem Entscheidungsweg des Mörders folgt, sondern verbindet existentielle individuelle Fragen mit dem schmutzig-banalen Tagesgeschäft der Politik – und mit einem unauflösbaren Rest aus Zufall und menschlicher Eigendynamik. Die historische Situation der gespaltenen Linken am Ende des Zweiten Weltkriegs, die Sartre beim Schreiben vor Augen stand – wie auch die Ermordung Trotzkis durch dessen Sekretär –, mag vorbei sein, doch die Differenz zwischen humanen Ideen und inhumanen Mitteln, um ihnen den Weg zu bahnen, ist eine zeitlose. In der Diskussion zwischen Hugo und Hoederer klafft ein Abgrund, der von den Bomben aller Terroristen und den Leichen aus den Kellern unserer Zivilisation gleichermaßen gepflastert ist.

 

Vorstellungsdauer: 2 Std., keine Pause

 

Veranstaltungsort: Cuvilliestheater

 

Quelle: https://www.residenztheater.de/