Theaterjugendring München

Der Streit

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Der Streit

von Pierre Carlet de Marivaux

 

Regie: Nikolaus Habjan
Bühne: Jakob Brossmann + Denise Heschl
Kostüme: Denise Heschl
Musik: Kyrre Kvam

 

 

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Besetzung

Premiere 13. Januar 2018

n. n.

 

 

 

 

 

Eine Arena, ein Wald, ein Garten – Eden? Ein Streit soll hier beigelegt, die Uhr noch einmal zurückgedreht und die Geschichte der Menschheit erneut nachvollzogen werden. Durch wen, so die Streitfrage, wurde die Untreue in die Welt gebracht? Die Fronten scheinen klar, und könnten allgemeiner gezogen kaum sein – es geht hier schließlich um „Gender Trouble“, die geschlechtliche Gefangenschaft von Männern und Frauen. „Die Männer behaupten, Schwäche sei ein natürliches Erbteil der Frauen. Das mag an sich richtig sein. Aber haben wir ein Recht dazu, das zu sagen, oder sogar zu glauben?“ Diese Frage stellt Marivaux seinem Text „Über die verheirateten Frauen“ voran, einer Abhandlung über die ungerechte Aufteilung der männlichen Freiheiten und der weiblichen Unfreiheiten in Beziehungen. Ausgehend von dieser Frage stellt er in seinem „Streit“ die weibliche Sicht gegenüber. Die Positionen werden repräsentiert durch den Prinzen und seine Begleitung, Hermiane. Bereits der Vater des Prinzen führte eine Generation zuvor denselben Streit und legte, um die Frage ein für alle Mal zu beantworten, einen Versuchsaufbau an. Sechs Kinder, drei eines jeden Geschlechts, wurden, ungeachtet jedweder ethischen Bedenklichkeit, in Isolation aufgezogen, lediglich im Kontakt mit zwei für die Aufzucht der Versuchsobjekte verantwortlichen Angestellten des Hofes. Nun also ist der Tag des ersten Kontakts gekommen, wie die ersten Menschen sollen sie sich begegnen, sollen von Neuem lieben, sollen das alte Spiel von Eifersucht und Lust erneut durchleben. Den Forschungsobjekten wird die Möglichkeit gegeben, Subjekt zu werden.

Voller Unschuld treffen nach und nach die sechs Einzelgänger aufeinander, aufmerksam beobachtet vom höfischen Personal, das sich erhofft, die jeweils eigene Argumentation hier faktisch untermauert zu bekommen. Doch die Erkenntnis beginnt für die Probanden schon in der narzisstischen Liebe beim Betrachten des eigenen Spiegelbildes. Jede Beziehung in diesem Experiment misst sich zunächst an der Liebe des Selbst, und erst dann im zwischenmenschlichen – oder sollte man sagen: zwischengeschlechtlichen? – Kontakt. 

In Marivaux‘ „Der Streit“ geht es aber nicht nur um den Unterschied der Geschlechter, sondern auch um die Hoheit des Blickes. Die Kinder erblicken erstmalig sich selbst wie auch die anderen, die alte Generation beobachtet die neue, die Forscher sehen ihren Probanden zu. Nikolaus Habjan arbeitet dabei im Zentrum dieser Blicke, bildet er doch mit Puppen immer einen Widerspruch ab: ein Mensch mit einer Stimme, aber zwei Körpern, ein duales Individuum zu sein. Das Bewusstsein darüber spiegelt das Stück in den vielfachen Erkenntnismomenten, etwa wenn die Kinder sich narzisstisch erstmals ihrem Spiegelbild hingeben und ihr Gegenüber an sich selbst messen: „Wirklich, ich muß sagen, Sie sind genauso schön wie ich.“

Nikolaus Habjan arbeitet mit den von ihm hergestellten Klappmaulpuppen an der Schnittstelle von Körper und Körperdarstellung. Zusammen mit dem Ensemble wird er diese Arbeit fortsetzen und die Puppenmenschen ins (Eigen-)Leben führen. 

 

Vorstellungsdauer:

 

Veranstaltungsort: Cuvilliestheater

Quelle: https://www.residenztheater.de/