Theaterjugendring München

Der Schweinestall

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Der Schweinestall

von Pier Paolo Pasolini

 

Regie: Ivica Buljan
Bühne: Aleksandar Denić
Kostüme: Ana Savić Gecan
Musik: Mitja Vrhovnik-Smrekar

 

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Besetzung

Philip Dechamps: Julian
Genija Rykova: Ida
Götz Schulte: Vater Klotz
Juliane Köhler: Mutter Bertha
Bijan Zamani: Herdhitze
Götz Argus: Hans Günther
Sibylle Canonica: Spinoza
Jürgen Stössinger: Maracchione
Nora Buzalka: Zaúm

 

Programmheft

 

So anarchisch wie seine Stücke und Filme sind, hat Pier Paolo Pasolini – Lyriker, Dramatiker, Filmemacher und vieles mehr – auch gelebt und gearbeitet. Geboren 1922 in Bologna, verbrachte der Sohn eines Berufsoffiziers in seiner Jugend viel Zeit im ländlichen Friaul. Er promovierte in Philosophie, arbeitete als Journalist, malte, zeichnete, trat der Kommunistischen Partei bei, war Christ, stand offen zu seiner Homosexualität, verurteilte die Scheinheiligkeit der bürgerlichen Gesellschaft ebenso wie den Konformismus der Progressiven. In Deutschland sind vor allem seine Filme bekannt, darunter „Accattone“ und „Die 120 Tage von Sodom“. 1975 wurde Pasolini in der Nähe von Rom ermordet.

„Der Schweinestall“ ist ein satirisches Drama über reiche deutsche Spießbürger, das der italienische Skandalautor 1966 verfasste. Es spielt im Nachkriegsdeutschland der Mittsechziger Jahre, in Bad Godesberg, in der Villa eines mächtigen Industriellen, dessen Wohlstand sich auf die Waffenfabrik seines Vaters gründet. Ähnlichkeiten mit dem realen Stahlproduzenten Krupp drängen sich auf.

Pasolinis Industrieboss, genannt Herr Klotz, hat einen Sohn, Julian, der vom Vater als missraten angesehen wird, weil er nach bürgerlichen Vorstellungen von Bildung und Erfolg nichts auf die Reihe kriegt. Aber auch in der nonkonformistischen Welt der Studentenbewegung jener Jahre, vertreten durch eine Freundin Julians, die er nicht an sich heranlässt, findet der verlorene Junge keine Heimat. Freundschaft und, ja, Liebe in allen Erscheinungsformen erlebt Julian nur bei den Schweinen im Stall.

Vater Klotz würde sein Imperium gern um das seines Konkurrenten Herrn Herdhitze vergrößern, der im Dritten Reich als besonders grausamer KZ-Arzt wirkte. Herdhitze seinerseits hofft, sich die düsteren Familiengeheimnisse des Herrn Klotz zunutze machen zu können, um sich dessen Fabrik einzuverleiben – kapitalistische Kannibalen unter sich. Die Herren bespitzeln sich gegenseitig und finden heraus, dass sie, da beide Dreck am Stecken haben, doch prima zueinanderpassen. Und ihre dunkle Vergangenheit einfach verschweigen sollten. Kein Wunder, dass der sensible Julian in der vom nationalsozialistischen Erbe verseuchten jungen Bundesrepublik nur im Schweinestall echte Widerständigkeit suchen und finden kann.

Während die Fusionsparty steigt, flüchtet sich Julian erneut zu den Schweinen, wo ihm all das, was er bei der Lektüre seiner philosophischen Vaterfigur Spinoza gelernt hat, wie eine Erscheinung bewusst wird. Trost kann ihm auch der Philosoph nicht mehr sein. So lässt sich der junge Mann buchstäblich von seinen selbst gewählten Freunden auffressen.

Mit Pier Paolo Pasolini hat sich der kroatische Regisseur Ivica Buljan in seiner internationalen Theaterarbeit ebenso beschäftigt wie etwa mit den deutschsprachigen Dramatikern Peter Handke, Elfriede Jelinek und Heiner Müller.

 

Vorstellungsdauer: ca. 2 Std. 30, eine Pause
Veranstaltungsort: Marstall


Quelle: https://www.residenztheater.de/