Der feurige Engel

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Der feurige Engel

Oper in fünf Akten und sieben Bildern

Komponist Sergej Prokofjew · Libretto vom Komponisten nach dem gleichnamigen Roman von Waleri J. Brjussow
In russischer Sprache mit deutschen Übertiteln

 

Musikalische Leitung: Michail Jurowski
Inszenierung: Barrie Kosky
Bühne: Rebecca Ringst
Kostüme: Klaus Bruns
Licht: Joachim Klein
Choreographie: Otto Pichler
Dramaturgie: Bettina Auer, Miron Hakenbeck
Chor: Stellario Fagone

 

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Besetzung

Ruprecht: Evgeny Nikitin
Renata: Ausrine Stundyte
Schenkwirtin: Heike Grötzinger
Wahrsagerin: Helena Zubanovich
Agrippa von Nettesheim: Vladimir Galouzine
Mephistopheles: Kevin Conners
Äbtissin: Okka von der Damerau
Faust: Igor Tsarkov
Inquisitor: Peter Lobert
Jakob Glock: Ulrich Reß
Mathias Wissmann: Sean Michael Plumb
Doktor: Matthew Grills
Knecht: Christian Rieger
Schankwirt: Andrea Borghini
Junge Nonne 1: Selene Zanetti
Junge Nonne 2: Alyona Abramowa

Bayerisches Staatsorchester
Chor der Bayerischen Staatsoper

 

Ein Paar und seine halluzinative Reise zur Nachtseite der Leidenschaften: Renata wird vom Verlangen nach der vollkommenen Liebesbegegnung getrieben. Seit ihrer Jugend hat sie die Vision einer ekstatischen Vereinigung mit einem lichtumfluteten Engel. Ruprecht verfällt dieser Frau und folgt ihr bedingungslos auf ihrer obsessiven Suche nach der Erfüllung dieser Phantasie. Die beiden überschreiten die Grenzen der Wahrnehmung und lassen alle Regeln von Moral und Vernunft hinter sich, bis die Bereitschaft zur Hingabe mit ganzem Leib und ganzer Seele ihr bisheriges Dasein vollkommen aufzulösen droht.

1907 verarbeitete der russische Symbolist Walerij Brussow eine eigene Beziehung voller Abhängigkeiten in einem Roman mit dem Gewand der Historie: Vor dem Hintergrund des Umbruchs von Mittelalter zur Neuzeit erzählt er die Erinnerungen des Ritters Ruprecht an seine schicksalhafte Begegnung mit der von Wahnvorstellungen gequälten, von Liebeshunger getriebenen und als Ketzerin endenden Renata – in einer Welt zwischen Inquisitionswahn und Humanistengeist, Okkultismus und empirischer Wissenschaft, mystischer Ekstase und verteufelter Sexualität. Sergej Prokofjew stößt 1919 auf den Roman. In den Jahren seines Nomadisierens zwischen Amerika, Frankreich und dem bayerischen Pfaffenwinkel komponiert er seine düsterste und enigmatischste Oper, die erst nach seinem Tod zur Uraufführung kommt.

 

Erster Akt

Kaum ist Ruprecht, weitgereist und welterfahren, in seinem Hotelzimmer angekommen, taucht eine verzweifelte Frau auf. Sie glaubt sich verfolgt. Panisch erzählt sie Ruprecht, dessen Namen sie kennt, eine mysteriöse Geschichte: Als Kind sei ihr, Renata, ein feuriger Engel namens Madiel erschienen, der ihr näher war als alle Menschen. Doch als Renata, ein junges Mädchen geworden, sich nicht nur seelisch, sondern auch körperlich mit ihm vereinigen wollte, verschwand er wütend. Später glaubte sie, im Grafen Heinrich eine Inkarnation Madiels gefunden zu haben, aber nach einem Jahr verließ er Renata. Seither ist sie auf der Suche nach dem verlorenen Geliebten. Ruprecht ist zunächst völlig klar, wie dieser Frau zu helfen wäre. Doch als er sich Renata brutal nehmen will, wird plötzlich etwas in ihm berührt. Ein Spiel ohne Regeln beginnt.

 

Zweiter Akt

Wie besessen versucht Renata, dem Grafen Heinrich mithilfe von schwarzer Magie auf die Spur zu kommen. Die magische Beschwörung des Grafen scheint zu gelingen, aber die empfangenen Zeichen erweisen sich als Täuschung. Dass ihr Ruprecht seine Liebe erklärt und sich auch in Geduld üben will, quittiert Renata nur mit Demütigungen.

In seinem Bemühen, Renata zu verstehen, sieht Ruprecht plötzlich den berühmten Wissenschaftler und Magier Agrippa von Nettesheim vor sich. Doch Ruprechts Ringen nach Erkenntnis endet in einem Alptraum.

 

Dritter Akt

Die Spirale dreht sich weiter. Renata verstrickt Ruprecht in ein erotisches Rollenspiel, in dem beide immer wieder die Identität wechseln, so dass unscharf wird, wer sich wem unterwirft: Renata will Graf Heinrich wiedergefunden haben, der sie schroff zurückgewiesen und beschimpft hat. Also kann Heinrich nicht ihr Madiel sein. Renata befiehlt Ruprecht: Töte Heinrich! In einem abrupten Sinneswandel verbietet sie ihm dann, dem Grafen Heinrich auch nur ein Haar zu krümmen. Im Rausch des Spieles verletzt sich Ruprecht schwer. Renata erklärt Ruprecht, ihn zu lieben, weil er bereit sei, für sie über Grenzen zu gehen. Kann Ruprecht seinen Sinnen denn trauen?

 

Vierter Akt

Renata will Ruprecht verlassen, denn sein Begehren ist ihr zuwider. Erneut bittet Ruprecht sie, seine Frau zu werden, was Renata verächtlich abwehrt.

Da werden sie von einem kruden Alptraum überwältigt: Mephistopheles erscheint und treibt ein böses Spiel, während Faust über das menschliche Sein sinniert. Ruprecht muss ohnmächtig zuschauen.

 

Fünfter Akt

Renata verliert sich in religiöser Ekstase. Von allen Seiten hört sie bedrohliche Stimmen, fühlt sich bedrängt und gejagt, Visionen von Leid und Martyrium verfolgen sie, bis der Strudel ihrer Panik, in den auch Ruprecht hineingerissen wird, Renata vollkommen überwältigt.

 

Vorstellungsdauer: ca. 2 Std. 15, keine Pause

Veranstaltungsort: Bayerische Staatsoper – Nationaltheater

 

Quelle: https://www.staatsoper.de/