Theaterjugendring München

Das Schlangenei

Print Friendly, PDF & Email

Das Schlangenei

von Ingmar Bergman, Deutsch von Heiner Gimmler


Regie: Anne Lenk
Bühne: Judith Oswald
Kostüme: Sibylle Wallum

 

Wie hat Ihnen/Dir die Vorstellung "Das Schlangenei" gefallen?

Ergebnis ansehen

Loading ... Loading ...

Besetzung

Premiere 30. September 2017

n. n.

 

 

 

 

 

 „Wenn der, der die Gefühle der Menschen ausspricht, die Menschen mag, dann ist es gut. Aber wenn er die Menschen hasst …“ Manuela, Trapezkünstlerin und Schwägerin von Abel Rosenberg, sucht nach Antworten, um die Ursachen ihrer Ängste und Verunsicherungen zu beschreiben: „Das Schlimmste ist, dass die Menschen keine Zukunft haben. Nicht nur du und ich haben so wenig Zukunft. Alle Menschen haben ihre Zukunft verloren.“

Abel Rosenberg ist gemeinsam mit seinem Bruder Max und dessen Frau Manuela jahrelang als erfolgreicher Zirkusartist um die Welt gezogen. Nach Max‘ Verletzung setzen sich die drei mit ihren gesparten Dollars in Berlin fest. In den trüben Novembertagen des Jahres 1923, als ein Dollar 150 Millionen Mark wert ist und Hitlers Putschversuch in München scheitert, wird das verlorene Künstlertrio in eine Folge mysteriöser Morde verwickelt. Max begeht Selbstmord und Abel und Manuela erleben immer intensiver den fiebernden Alptraum von nationaler Demütigung und sozialem Elend. Dagegen versucht Polizeiinspektor Bauer eine kleine Insel der Ordnung und der Vernunft zu schaffen und tut mitten im Chaos der totalen Auflösung seine Pflicht. Er sucht bei dem amerikanischen Juden Abel nach Hinweisen zur Aufklärung der Morde, da einige Fäden bei ihm zusammenzulaufen scheinen. Abel stürzt sich in die Trunkenheit und spürt in sich selbst, wie der Bazillus des deutschen Nationalismus alles infiziert.

Existentielle Leere und Extremismus treten an die Stelle traditioneller Werte und religiösen Glaubens und schaffen so den Nährboden für den elitären Zynismus einer Wissenschaft von der Manipulierbarkeit des Menschen. Die grenzenlose Entfesselung der Technik und die kalte „Modernität“, die von dem Mediziner Hans Vergérus, der mit Psycho-Experimenten seine Versuchspersonen in den Selbstmord treibt, personifiziert wird, bereitet die Saat für Kommendes, das man als Gefahr erkennen und bereits vor dem Ausbrüten töten muss.

„Das Schlangenei“ beschreibt ein Deutschland, dessen Ordnung am Zerbrechen ist und dessen Gemütlichkeit sich nur noch im Zuge von Abschottung und Besitzstandswahrung zeigt, und führt dabei tief in die Hölle von Perversion und Verbrechen, von Terror und Totalitarismus. Regisseurin Anne Lenk inszeniert den Film von Ingmar Bergman, der 2018 hundert Jahre alt geworden wäre und dem Residenztheater von 1977 bis 1984 als Theaterregisseur eng verbunden war, als intensives Kammerspiel über die Katastrophe des menschlichen Selbstvernichtungsdrangs, die sich immer wieder aufs Neue erleben lässt.

 

Vorstellungsdauer:

 

Veranstaltungsort: Cuvilliestheater

Quelle: https://www.residenztheater.de/