Theaterjugendring München

Bunbury oder Von der Notwendigkeit, ernst zu sein

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Bunbury oder Von der Notwendigkeit, ernst zu sein

von Oscar Wilde
Deutsch von Marius von Mayenburg

 

 

Regie: Marius von Mayenburg
Bühne und Kostüme: Nina Wetzel
Musik: Nils Ostendorf
Licht: Markus Schadel
Video: Sebastien Dupouey
Dramaturgie: Christina Hommel

 

 

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Besetzung

Gunther Eckes: Mr. John Worthing
Lukas Turtur: Mr. Algernon Moncrieff
Thomas Gräßle: The Rev. Canon Chasuble, D. D.
Simon Werdelis: Lane / Merriman
Ulrike Willenbacher: Lady Bracknell
Katrin Röver: The Hon. Gwendolen Fairfax
Genija Rykova: Miss Cecily Cardew
Beatrix Doderer: Miss Prism

 

Programmheft
Podcast

 

Um ungestört ihren Vergnügungen nachzugehen, konstruieren die beiden Dandys Algernon und Jack ein hitziges Doppelleben. Während Algernon einen kranken Freund namens Bunbury erfindet, um seinen Verpflichtungen zu entkommen und sich auf dem Land zu amüsieren, beruft sich Jack auf einen erdachten missratenen Bruder namens Ernst, um seinem Landsitz zu entfliehen und das Nachtleben in der Stadt zu genießen, wo er den falschen Namen „Ernst“ benutzt. Das Lügengebäude kommt ins Wanken, als Algernons Cousine Gwendolen sich in Jack und Jacks Mündel Cecily sich in Algernon verliebt und beide Frauen den jeweiligen Verlobten für „Ernst“ halten. In Oscar Wildes 1895 uraufgeführter Komödie findet eine Rebellion ohne Revolution statt. Die unerträglichen bestehenden Verhältnisse werden nicht auf den Kopf gestellt – lieber stellt man sich selbst auf den Kopf, um die letzten Nischen der Selbstbestimmtheit gegen gesellschaftliche Kontrolle und Langeweile zu verteidigen.

Oscar Wildes 1895 uraufgeführte Komödie zeigt eine verblüffende Rebellion gegen die Fremdbestimmtheit der eigenen Identität. Wer man ist, und wer man sein sollte, wird durch Klassenbewusstsein, einen strengen moralischen Verhaltenskodex und ein starres Korsett von Etikette und Stil geregelt. Das Verblüffende dieser Rebellion besteht darin, dass sie keine Revolution sein will. Die bestehenden Verhältnisse werden nicht auf den Kopf gestellt, stattdessen stellt man sich selbst auf den Kopf, um die letzten Nischen der Selbstbestimmtheit zu verteidigen. Lüge und brillante rhetorische Improvisation sind die Mittel, mit denen ein komplexes Doppelleben gemeistert wird: Die Protagonisten dieser Rebellion haben erkannt, dass es gar nicht darum geht, die Ansprüche der Gesellschaft tatsächlich zu erfüllen, solange es einem nur gelingt, den Schein zu wahren. Wer man ist, interessiert sowieso niemanden, wahrscheinlich noch nicht mal einen selbst. Und so ist das Doppelleben gar nicht so sehr eine Flucht, als vielmehr ein Frontalangriff auf die institutionalisierte Langeweile. Die offizielle Identität ist zwar tatsächlich unerträglich, vor allem aber wäre es schlicht zu uninteressant, mit nur einer einzigen Identität durchs Leben zu gehen.

Wie viele Identitäten Marius von Mayenburg besitzt, ist nicht bekannt, seine Berufe immerhin sind Autor, Regisseur, Übersetzer und Dramaturg. Zu seinen Stücken zählen u.a. „Feuergesicht“, „Der Stein“ und „Der Häßliche“, 2012 schrieb er mit drei weiteren Autoren „CALL ME GOD“ und inszenierte das Stück im Marstall.

 

Vorstellungsdauer: ca. 2 Std. 15, keine Pause

Veranstaltungsort: Cuvilliestheater

Quelle: https://www.residenztheater.de/