Theaterjugendring München

AUS EINEM TOTENHAUS

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AUS EINEM TOTENHAUS

Oper in drei Akten

Komponist Leoš Janáček · Libretto vom Komponisten nach „Aufzeichnungen aus einem Totenhaus“ von Fjodor M. Dostojewski
In tschechischer Sprache mit deutschen Übertiteln | Neuproduktion

Premiere: 21.05.2018

 

Musikalische Leitung: Simone Young
Inszenierung: Frank Castorf
Bühne: Aleksandar Denic
Kostüme: Adriana Braga-Peretzki
Licht: Rainer Casper
Video-Design und Kamera: Andreas Deinert
Live-Schnitt: Jens Crull
Chor: Sören Eckhoff
Dramaturgie: Miron Hakenbeck

 

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Besetzung

Alexander Petrowitsch Gorjantschikow: 
Peter Rose 21. / 26. / 30. Mai / 3. / 5. / 8. Jun 
Peter Mikuláš 30. Jul
Alej, ein junger Tatar: Evgeniya Sotnikova
Filka Morosow (im Gefängnis unter dem
Namen Luka Kusmitsch): Aleš Briscein
Der große Sträfling: Manuel Günther
Der kleine Sträfling: Tim Kuypers
Der Platzkommandant: Christian Rieger
Der ganz alte Sträfling: Ulrich Reß
Skuratow: Charles Workman
Tschekunow: Johannes Kammler
Der Koch: Boris Prýgl
Der Schmied: Alexander Milev
Der Pope: Peter Lobert
Dirne: Heike Grötzinger
Ein Sträfling in der Rolle des
Don Juan und des Brahminen: Callum Thorpe
Kedril: Matthew Grills
Schapkin: Kevin Conners
Schischkow: Bo Skovhus
Tscherewin / Eine Stimme aus der kirgisischen
Steppe: Dean Power

Bayerisches Staatsorchester
Chor der Bayerischen Staatsoper

 

Kein Ort scheint weiter entfernt von einem der Kunst gewidmeten Raum wie dem Opernhaus als die Szenerie in Leoš Janáčeks letzter Oper: ein sibirisches Zwangsarbeitslager mit seinen Insassen; Diebe, Totschläger, Mörder und politische Gefangene sowie ihre Bewacher, die ihre Macht bei jeder Gelegenheit auskosten. Zudem: Erniedrigung, Gewalt und Kalkül im täglichen Kampf um den eigenen Vorteil. Das Lager wirkt wie die Antithese und ist zugleich der blinde Fleck jeder sich zivilisiert wähnenden Gemeinschaft. Doch mitten hinein in diese Lagerwelt setzt Janáček einen Moment des Spiels: Am Feiertag spielen die Gefangenen füreinander und vor ihren Wächtern Theater. Ihre Vorstellung bietet seltene Ablenkung, eine Dosis Hoffnung in der täglichen Misere, ist Travestie der Verhältnisse und in seiner Derbheit Ventil erotischer Bedürfnisse. Und dabei doch vor allem Ausdruck dessen, wonach sich alle sehnen: dem Gefühl von Menschenwürde und Achtung vor der eigenen Existenz. Innerhalb der Gefangenschaft ist dieses Spiel die vielleicht größtmögliche Erfahrung jener Freiheit, die die Häftlinge mit ihren „Svoboda“-Rufen am Ende der Oper besingen. Fjodor Dostojewski, der als Anhänger antizaristischer Kreise selbst vier Jahre lang in Sibirien Zwangsarbeit ableisten musste, lieferte mit seinen Aufzeichnungen aus einem Totenhaus eine detaillierte Reportage über das soziale System des Straflagers und zugleich eine Studie über die Psychologie der Sträflinge. Janáček schuf nach Dostojewskis Roman 1928, wenige Jahre bevor eine ganze Maschinerie von Lagern die europäische Zivilisation Lügen strafte, ein singuläres Werk des Musiktheaters: eine Oper ohne Helden. Auch ohne eine auf Konflikte und Lösung setzende Handlung. Vor dem Hintergrund des immergleichen Lageralltags lässt er schlaglichtartig einzelne Sträflinge für einen Augenblick aus der Menge hervortreten. Sie erzählen zwischen Stolz, Bitterkeit und Reue von ihren Verbrechen, von durchkreuzten Lebensplänen, von gescheiterter Liebe – und zeugen so von der unverwechselbaren Identität jedes Einzelnen.

Vorstellungsdauer: n. n.

 

Veranstaltungsort: Bayerische Staatsoper – Nationaltheater

 

Quelle: https://www.staatsoper.de/